Wien - Die Aktie der Telekom Austria (TA) hat am Donnerstag einen K.o.-Schlag erhalten. Bei Umsätzen von deutlich über einer Million Aktien ist das Papier bis um rund 17 Prozent eingebrochen und schloss erstmals unter sechs Euro. Eine riesige Verkaufsorder folgte auf die andere. Damit fiel die TA 35 Prozent unter den Ausgabekurs von neun Euro. Ähnlich schlecht war es der TA bisher nur am 2. Jänner ergangen, als der Silvesterkater die TA auf 5,70 Euro abstürzen ließ. Am Freitag setzten die Titel zu einer leichten Erholung an und erhöhten sich um 2,73 Prozent auf 6,02 Euro. Es geht noch tiefer Auslöser für das Kursdesaster war eine Gewinnwarnung des Unternehmens, wonach das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für das Jahr 2000 um zehn bis 15 Prozent unter den Analystenschätzungen liegen wird. Die TA begründete die schwächeren Zahlen mit gestiegenen Personalkosten im vierten Quartal 2000, höheren Interconnection-Kosten und stärkeren Belastungen aus dem Schuldendienst. Die Umsätze liegen in der Spannweite der Analystenschätzungen, so das Unternehmen. Für 2001 sei man zuversichtlich, beim Umsatz und Ertrag den Erwartungen der Analysten zu entsprechen, teilte die TA weiter mit. Im November hatte die CA IB, die Emissionsbank der TA, das normalisierte Ebitda des heimischen Telekomriesen für 2000 auf 1,26 Mrd. EURO geschätzt nach 1,53 Mrd. EURO im Jahr 1999. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) ging in ihrer Emissionsanalyse im Oktober 2000 von einem Ebitda 2000 von 1,02 (1,48) Mrd. EURO aus. Während Händler von einer Gewinnwarnung sprachen, meinten andere Analysten, die Mitteilung sei nicht überraschend gekommen. Die TA, an der Telecom Italia seit dem Börsengang 29,8 Prozent des Aktienkapitals hält, habe für 2000 bereits Mitte des Vorjahres ein negatives Ergebnis angekündigt. "Es sieht nicht aus wie eine Gewinnwarnung per se, aber es führt zu einer starken Verringerung des Vertrauens der Investoren, da der Börsengang ja noch nicht lange her ist", sagte Erste-Bank-Analyst Konrad Sveceny. Bei einigen Börsianern und Fondsmanagern kochten die Emotionen allerdings über: Es sei ein Todesurteil für die Aktie, dass die TA sechs Wochen nach ihrem Börsengang eine Gewinnwarnung veröffentliche, hieß es. Außerdem sei die Begründung für die schlechteren Ergebnisse, nämlich im vierten Quartal gestiegene Personalkosten, "fadenscheinig". Man fühle sich falsch informiert, hieß es. Die Fondsmanager zogen die Konsequenzen: Raus aus der Aktie, die erst in den vergangenen zehn Tagen wieder zugekauft worden war. Für das laufende Jahr erwartet die RZB in ihrer aktuellen Analyse einen Umsatz von 3,79 Mrd. EURO und ein Ebitda von 1,34 Mrd. EURO. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollte demnach bei plus 178,2 Mio. EURO liegen - nach minus 113 Mio. EURO. (kbau/Reuters/ung/DER STANDARD, Printausgabe 19.1.2001)