Jerusalem - Der Kandidat des rechtsgerichteten Likud-Blocks für die Wahl des israelischen Ministerpräsidenten im Februar, Ariel Sharon, will nach Informationen der Tageszeitung "Haaretz" einen palästinensischen Staat anerkennen. Nach Sharons Vorstellungen solle sich der Staat lediglich auf 42 Prozent der Fläche des Westjordanlandes erstrecken, was den Gebieten entspreche, die die Palästinener bereits zur Gänze oder teilweise kontrollierten, berichtet die Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf ein bisher vertrauliches programmatisches Papier des Likud-Chefs. Sharon, dessen Sieg bei der Premier-Wahl am 6. Februar als nahezu sicher gilt, hatte in einem Interview erklärt, die Osloer Abkommen mit den Palästinensern hätten keine Gültigkeit mehr. Der Politiker hatte mit seinem spektakulären Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg Ende September die anhaltenden blutigen Unruhen provoziert. Er will im Fall seiner Wahl zum Regierungschef alle jüdischen Siedlungen im Westjordanland und Gaza-Streifen aufrecht erhalten. Zustände wie unter Milosevic Außenminister Shlomo Ben-Ami sagte am Donnerstag im Armeerundfunk, sollte Sharon die Wahl gewinnen, würden in Israel Zustände herrschen wie in Jugoslawien unter dem früheren Staatschef Slobodan Milosevic. Damit spielte Ben-Ami auf die internationale Isolation Belgrads an. Der libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri hat Israel bereits gewarnt, dass es für einen Wahlsieg Sharons einen "hohen Preis" werde zahlen müssen. Sharon gilt in den arabischen Staaten als Kriegsverbrecher, seitdem er 1982 als Verteidigungsminister die Libanon-Invasion geleitet hatte. Wegen der vom Obersten Gerichtshof Israels festgestellten Mitverantwortung der israelischen Armee bei den Massakern in den Beiruter Palästinenser-Flüchtlingslagern Sabra und Shatila mit bis zu 1500 Toten hatte Sharon 1983 vom Amt des Verteidigungsministers zurücktreten müssen. (APA)