Wien - Boris Groys, designierter Rektor der Akademie der bildenden Künste, hält an seinem Wunsch fest, Michael Herbst und Werner Würtinger zu seinen Vizerektoren für Finanzen beziehungsweise Personal zu bestellen. Das 34-köpfige Universitätskollegium hatte die beiden Kandidaten am 9. Jänner mit je rund 60 Prozent der Stimmen abgelehnt. Eine neuerliche Abstimmung soll am 30. Jänner oder 2. Februar folgen. Seine persönlichen Konsequenzen im Falle eines Scheiterns wollte Boris Groys bei einem Pressegespräch am Freitag aber nicht darlegen. Der aus Berlin gebürtige, international renommierte Kunsttheoretiker zeigte sich vom Verhalten des Kollegiums erstaunt. Keiner hätte Gegenvorschläge unterbreitet oder öffentlich Kritik an den Kandidaten geübt, nicht einmal sein Gegenspieler Hans Hallwirth, der sich selbst um das Amt des Rektors beworben hatte und sich - laut Groys - als Vizerektor angetragen hätte: "Die Mitglieder des Kollegiums haben sich nicht dagegen ausgesprochen, nur dagegen gestimmt. Das finde ich bedenklich." Er selbst, erklärte Groys, werde der Abstimmung nicht beiwohnen, da er sich auf einer Vortragsreise durch die USA befinde. Erst Ende Februar werde er wieder nach Wien kommen, die Übernahme des Rektorats von Carl Pruscha soll im März erfolgen. In Karlsruhe werde er sich als Professor karenzieren lassen, aber eine Gastprofessur annehmen, um sich um seine Studenten zu kümmern. Als Rektor wird Groys keinen Lehrauftrag innehaben. Er werde aber Wege finden, sich auch in Wien zu äußern. Donnerstagabend zum Beispiel hielt er einen pointierten Vortrag im Künstlerhaus. Er erzählte Sammlungsgeschichten inmitten der aus den Beständen der Stiftung Ludwig zusammengestellten Schau des Museums moderner Kunst ( Zwischenquartier ). Und skizzierte die Entwicklung der Sammlungen - von der Ausbildung des individuellen Geschmackes bis zu öffentlichen Sammlungen seit Beginn des 19. Jahrhunderts, die nach objektiven Kriterien zusammengestellt seien. Der ideale Kurator solle keinen Geschmack, aber bestes Wissen um die Kunst besitzen. Für Groys, der selbst nicht sammelt und somit "Außenbeobachter" bleibt, sind viele private Kollektionen extrem langweilig, da sie dem aktuellen Kanon entsprächen und eigentlich wie ein Museum ihre Werke erwerben: "Immer die Warhols, die Richters, die Naumans und Polkes". Und, da wird Groys das einzige Mal emotional, "es mag gute Qualität sein, aber ich kann das alles einfach nicht mehr sehen!" Er plädiert für den Mut zum Risiko. Was er bei einer bestehenden Kaufabsicht von Kunst nicht verstehe, sei die Art der Qualifizierung: "Zwischen Ja und Nein liegt oft nur eine Distanz von 500 Mark." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 1. 2001)