Berlin/Rom/Wien - Hunderte von Bauern protestierten Donnerstag in Bayern und der Lombardei gegen die Massen-Notschlachtungen von Rindern. Der Abtransport der Viehherden war nur unter Polizeischutz möglich. Wie berichtet, sehen viele nationalen BSE-Maßnahmen vor, beim Auftreten eines BSE-Falles alle Rinder des betroffenen Bauern zu töten. Bayerische und italienische Landwirte sehen die Notwendigkeit nicht ein und wollen nach Schweizer Vorbild vorgehen: nur jene Rinder töten, die ein Jahr vor und nach dem kranken Rind geboren wurden. Der erste Fall von BSE in der Schweiz tauchte 1990 auf, im selben Jahr wurde Tiermehl verboten. Vergebens. Im September 1996 wollte der Bundesrat 230.000 Rinder von 55.000 Bauern notschlachten lassen - wegen Protesten wurden nur 1500 Tiere in betroffenen Höfen getötet. Seit 1998 sind in der Schweiz 93 Tiere dem Rinderwahnsinn erlegen, seit Beginn der Krise 365. Grüne fordern "Reinheitsgebot" Laut Deutschlands Verbraucherschutzministerin Renate Künast wird das Rinderalter für BSE-Tests von derzeit 30 zuerst auf 24 Monate gesenkt, später soll überhaupt kein ungetestetes Rindfleisch mehr in den Handel gelangen. Schätzungen, wonach heuer bis zu 500 BSE-Fälle in Deutschland auftauchen, hält sie für zu niedrig. Tirols Grüne forderten Donnerstag, österreichische Bauern sollten sich zu einem "Reinheitsgebot" bekennen: eine selbstauferlegte Verpflichtung, kein Tiermehl, Fischmehl, keine Milchersatzprodukte für Kälber und kein Gen-Soja zu verwenden sowie auf Klärschlamm in der Düngung zu verzichten. Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel verlangte eine lückenlose Veröffentlichung der Ergebnisse von Fleisch- und Futtermittelkontrollen: "Die Sünder müssen per Namen veröffentlicht werden." Und im Parlament wurde eine öffentliche BSE-Enquete am 2. Februar beschlossen. (bs/fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. Jänner 2001)