Wien - Anstrengen muss man sich überall selber. Aber der Rest, das Drumherum, ist halt auch nicht ganz unwichtig. Und so wie sowohl Würstelstand als auch Haubenrestaurant im Prinzip das gleiche Bedürfnis befriedigen, ist auch nicht Fitnesscenter gleich Fitnesscenter. Exakt 633 Trimmbetriebe gibt es derzeit in Österreich. 138 allein in Wien. In der Regel handelt es sich dabei um 300 bis 500 Quadratmeter große Betriebe mit rund 200 bis 300 Mitgliedern, bei denen die Schmerzgrenze für die Monatsbeiträge in der Gegend eines Tausenders liegt. Die Branche boomt. Nicht nur aus Gründen der Eitelkeit, sondern auch, weil sich das Gesundheitsbewusstsein von Otto Normal und Anna Durchschnitt in den letzten Jahren markant verändert hat. Bloß: Den klassischen Mittelstandbetrieben bläst seit kurzem der Wind ins Gesicht. Die große Welt Zuerst kamen die Schweizer, dann die große Welt: Schon 1998 eröffnete die eidgenössisch-spartanische Kieser-Kette (weltweit 70 Outlets) am Franz-Josefs-Bahnhof eine Filiale. Weitere - etwa im siebten Bezirk - sollen heuer noch folgen. Da Kieser aber rein auf Muskeleffizienz und nicht auf Herz-Kreislauf- und Wellness-Drumherum setzt, blieb die Konkurrenz relativ ruhig. Damit es nun aber vorbei. Im Dezember haben zwei der ganz großen Trimmketten in Wien ihre ersten Filialen geöffnet, weitere Dependancen sind in Arbeit: Die südafrikanisch-britische Edelkette "Holmes Place" eröffnete Anfang Dezember nahe der UNO-City einen eleganten, 5000 Quadratmeter großen Tempel. 14 Tage später zog das britisch-amerikanische "Health-land" im Entertainmentcenter auf der Lassallestraße mit einem 3000-Quadratmeter-Turnsaal nach. Für beide Ketten nur der Fuß in der Tür am österreichischen Markt: Im Herbst 2001 soll das "Healthland"-Headquarter in der Millennium-City fertig sein, bis Jahresende will "Holmes" neben der Börse seine Wien-Zentrale eröffnen. "Healthland" plant insgesamt zehn, "Holmes" fünf großformatige Zentren in Österreich. Geschätzte Investition: 300 bis 400 Millionen Schilling. Pro Filiale. Nischen suchen "Die kleinen und mittleren Betriebe werden sich Nischen suchen müssen", meint darum Gerhard Span, Chef des elitären "Manhattan" und Sprecher der Branche. Der Kopf des zwei Filialen (in Döbling und im Industriegürtel südlich von Wien) umfassenden Nobelturnbetriebes fürchtet allerdings nicht, dass ein Sterben der Kleinen einsetzen wird. Etwa zehn Prozent, so der Vorturner, könnten ins Schleudern kommen, die anderen aber "werden sich durch Service, Spezialisierung oder durch ihren Standort behaupten können - umdenken müssen aber alle." Wie sich der Markteintritt der Großen tatsächlich auswirken wird, könne man aber "frühestens in einem Jahr" bewerten. Angst, betonen aber auch andere, hätten sie vor der neuen Konkurrenz nicht. So habe der massive Marketing- und Werbeauftritt der Ketten auch einen positiven "Trittbrett"-Effekt für die Kleineren. Und zweitens, zeigt Alexander Stadler, Trainer im Neubauer Center "Bodystyle", auf die Reihe von Fernsehapparaten, die über den Cardiogeräten hängt, "ist das da unsere wirkliche Konkurrenz. Wir müssen die Leute vom Fernseher wegholen, nicht aus den anderen Studios. Derzeit erreichen wir acht Prozent der Bevölkerung - das Potenzial liegt aber bei 25." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. Jänner 2001) Healthland Lassallestraße 7a 1020 Wien Tel.: (01) 245 34-0 http://www.healthland.at Öffnungszeiten: Mo-Fr 6.30-23, Sa & So 9-21 Uhr Monatlicher Mitgliedsbeitrag: 990.-, Einschreibgebühr: 990.- Holmes Place Wagramer Straße 17-19 1220 Wien Tel.: (01) 263 89 89 http://www.holmesplace.at Öffnungszeiten: Mo-Fr 6.30-23, Sa, So und Feiertag 7-21 Uhr Monatlicher Mitgliedsbeitrag: ab 1650.-, Einschreibgebühr: 6950.-