Klagenfurt - Die Affäre um den designierten Kärntner Kulturamtsleiter Walter Maria Stojan weitet sich aus. In einem Interview mit der Kärntner Tageszeitung schildert der frühere Sekretär von Exaußenminister Alois Mock Details über seine angeblich "geschobene Objektivierung". Demnach habe ihm Haider in Zagreb gesagt: "Servus, bewirb di, die Ausschreibung is jetzt draußen." Haider habe ihm nicht nur den Verlauf des Verfahrens, sondern auch die Mitglieder der Objektivierungskommission "gesteckt". Einer sei der von der Bundesregierung entsandte Salzburger Festspielkurator Armin Gebhard Fehle, "der schon den jungen Haider gecoacht hat", ein anderer Landesarchivdirektor Alfred Ogris in seiner Eigenschaft als Chef des Kulturgremiums gewesen. Letzteren habe man genommen, "weil der ist unauffällig", zitiert Stojan Kulturreferent Haider. In Haiders Personalreferat seien dann die Bewerber "vorgesiebt" worden. Unter den Übriggebliebenen wären zwei Beamte aus dem Kulturamt gewesen. Haider habe ihm versichert: "Aus dem Amt kommt mir keiner." SP-Chef Peter Ambrozy will jetzt "prüfen, ob Haider mit dieser Scheinobjektivierung das Objektivierungsgesetz gebrochen und damit möglicherweise Amtsmissbrauch begangen hat". Auch VP-Chef Georg Wurmitzer - er stimmte in der Regierung mit der FPÖ für die Bestellung Stojans - zeigt sich dem S TANDARD gegenüber empört: "Wenn das stimmt, war Haiders Objektivierung eine einzige Farce, die die Rechtsgrundlagen unseres Landes erschüttert. Aber auch Stojan muss sich gefallen lassen, dass er dieses Spiel mit einer gezinkten Stoppuhr mitgemacht hat." Jörg Haider, der beim FP-Neujahrtreffen in Wien weilte, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 1. 2001)