Wien - Lob und Tadel für die Liberalisierung der Telekommunikation in Europa setzt es im jüngsten Telekomreport der Europäischen Kommission. Zwar sei die Telekommunikation auch 1999/2000 die Triebfeder des Wirtschaftswachstums gewesen, es gebe aber noch keinen selbsttragenden Wettbewerb.

Konkret bemängelt wird, dass die Exmonopolisten noch immer den Löwenanteil der Erlöse einstreifen, weil die nationalen Regulierungsbehörden die Quersubventionierung nicht energisch genug bekämpften. Die Tarife für den Telefon- und Datentransfer entsprächen vielfach nicht der Kostenorientierung. Genaue Prüfungen sollten den Preisdruck durch quersubventionierte Endkundenpreise beseitigen, empfiehlt der Report. Auch Lothar Roitner vom Verband alternativer Telekomnetzbetreiber fordert scharfe Kontrollen der Telekom Austria durch das Kartellgericht.

Künstlich teuer

Quasi nur in homöopathischen Dosen gibt es den Wettbewerb zwischen den Handynetzbetreibern, wenn es um die Übernahme und Weiterleitung von Telefonaten aus fremden Netzen geht. "Die Preise für Anrufzustellung in Mobilfunknetzen sind noch nicht wettbewerbsorientert", steht im EU-Bericht. Im Klartext heißt das: Die Telefonkunden werden geschröpft, weil die Preisgestaltung den Netzbetreibern überlassen ist. Daher müssten diese Tarife geregelt werden.

Musterschüler

Für den Geschäftsführer der Telekom Control, Heinrich Otruba, ist Österreich in Sachen Telekomregulierung ein Musterschüler in Europa: "Die Schwerarbeit der Marktöffnung ist geschafft, nun erfolgt der Feinschliff." Da der Wettbewerb noch nicht von allein laufe, müsse an der asymmetrischen Regulierung festgehalten werden.

Diese soll sicherstellen, dass die Exmonopolisten - in Österreich die Telekom Austria (TA) - kontinuierlich Marktanteile verlieren, ohne dabei vor die Hunde zu gehen. Die TA hatte Ende 1998 noch 97 Prozent der Telefonkunden fest in ihrer Hand, ein Jahr später nur mehr 85 Prozent.

Nun werde an den Stellschrauben gedreht, sagte Otruba. So sollen die Kriterien für die Marktbeherrschung bei Sprachtelefonie und Netzzusammenschaltung EU-weit verändert werden. Konkret geplant sei die Anhebung des Schwellenwertes von derzeit 25 auf 40 bis 50 Prozent.

Den häufig geforderten Euro-Regulator, der geheime Preisabsprachen zwischen den weltweit agierenden Telekomkonzernen unterbinden soll, werde es nicht geben, glaubt Otruba. "Aber die nationalen Regulatoren werden enger als bisher zusammenarbeiten, um kollusive Oligopole zu verhindern."

Wie Ostern und Weihnachten zusammen liest sich das Zahlenwerk des EU-Reports: Europas Telekommarkt ist 1999 um durchschnittlich neun Prozent gewachsen, der Gesamtmarktwert betrug geschätzte 191 Milliarden Euro (2628,22 Mrd. S). Die Zahl der Netzbetreiber stieg um 89 Prozent auf 461.

Besser und billiger

Der harte Wettbewerb ließ die Preise purzeln: Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für Inlandsgespräche sanken im Berichtszeitraum für Firmen um 10,5 und für private Nutzer um 4,6 Prozent, wobei die privaten Gesellschaften die Exmonopolisten häufig stark unterboten. Auch beim Internet holt Europa auf: Immerhin ein Viertel der EU-Bürger surft daheim oder im Büro. In den USA ist es bereits jeder Zweite. (Luise Ungerboeck, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 21. 1 . 2001)