Wien/London - Den Tag, an dem der lang erwartete Weltdrogenbericht 2000 der in Wien ansässigen Drogenkontroll- und Verbrechensbekämpfungsbehörde ODCCP vorgestellt wird, hat sich deren Leiter, der Wiener UNO- Chef Pino Arlacchi, wahrscheinlich auch anders vorgestellt. Arlacchi, der sich zum Zwecke der Präsentation des Berichts am Montag in London aufhielt, wurde von einem Bericht der Financial Times empfangen, des Inhalts, dass sich das britische Innenministerium "nach Kritik an Arlacchis Amtsführung durch UN-Beamte und europäische Regierungen" (Der Standard berichtete) von diesem distanziere. Die FT schreibt weiter, dass Arlacchi in Paris und Berlin, wohin er von London weiterreist, aus denselben Gründen angeblich nicht mehr auf Ministerebene empfangen wird. Dabei legt der Weltdrogenbericht, so wie er vorliegt, durchaus eine positive Bilanz der Tätigkeit des italienischen linksdemokratischen Politikers Pino Arlacchi als Chef ODCCP. Der Bericht verweist auf einen deutlichen Rückgang bei der Produktion von Heroin und Kokain, der beinahe die Ausmaße eines Einbruchs erreicht, etwa bei Heroin allein im vergangenen Jahr 17 Prozent. Auch die Absatzmärkte seien zumindest nicht größer geworden. Laut UNO konsumieren weltweit 180 Millionen Menschen Drogen, das entspricht 4,2 Prozent der Personen im Alter über 15 Jahren. Das weltweit mit Abstand am weitesten verbreitete Rauschgift ist Cannabis. Auslassungen Bitter für Arlacchi ist, dass sich die in den letzten an die Öffentliche gelangte Kritik nicht auf seinen Führungsstil beschränkt. Der von Arlacchi bestellte Koordinator Francisco E. Thoumi hatte seinen Namen zurückgezogen, weil er die von Arlacchi gewünschten Änderungen nicht mittragen wollte. Dazu gehört die Streichung des Kapitels über die boomenden synthetischen Drogen. Ein "Weltdrogenbericht", der nicht auf sie eingeht, mache nicht viel Sinn, schreibt Thoumi in einem dem Standard vorliegenden Memorandum an Arlacchi. Weiters finde er es problematisch, dass im Weltdrogenbericht nichts über Marihuana, Drogenlegalisierung und den Beziehungen zwischen Drogen und organisiertem Verbrechen. Andere Experten stellen aber sogar die im Bericht angeführten Fakten in Frage. In Afghanistan etwa sei der Anstieg der Opiumproduktion in den letzten Jahren enorm (von etwa 2800 auf 4500 Tonnen), sagt einer von ihnen, der anonym bleiben will. Berichtete Zahlen über Rückgänge seien Momentaufnahmen und hätten meist nichts mit der Arbeit der UNO-Drogenkontrollbehörde zu tun: So sei die Opiumernte durch die enorme Trockenheit in Afghanistan 2000 viel niedriger ausgefallen. Oft werden die Produktionsorte auch einfach verlegt - so sei der Kokaanbau zuletzt etwa in Peru und Bolivien zurückgegangen, aber gleichzeitig in Kolumbien gestiegen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.01.2001)