Sie war die erste Frau, die das Wirtschaftsmagazin trend zum "Mann des Jahres" machte - das war zu einem Zeitpunkt, als sie ganz Österreich als politische Schlüsselfigur kannte: Helene Partik-Pablé war 1980 als Untersuchungsrichterin maßgeblich daran beteiligt, dass der Wiener AKH-Skandal ziemlich lückenlos aufgedeckt wurde. Was die meisten Österreicher damals nicht wussten: Die engagierte Untersuchungsrichterin hatte schon damals Erfahrungen als FPÖ-Funktionärin. 1974 war sie der Wiener Partei beigetreten, wurde Landesfrauenreferentin und gehörte fünf Jahre lang dem Bundesvorstand an, der damals in raschem Wechsel von Friedrich Peter, Alexander Götz, Horst Schender und Norbert Steger geführt wurde. Die FPÖ grundelte in jener Zeit am Rande der Bedeutungslosigkeit - und Steger holte die Juristin im Wahlkampf 1983 aus der strategischen Reserve. Was Steger nicht wusste: Seine Quereinsteigerin hatte vor ihrem Beitritt einmal der ÖVP geholfen, die entsprechende Bilder genüsslich herumreichte. Ein vergleichsweise kleines Problem. Das größere war die Eigenständigkeit, mit der Partik-Pablé in Partei und Parlamentsklub Profil gewann. Sie kritisierte den damaligen Vizekanzler immer wieder, vor allem als er sie unabgesprochen als mögliche Präsidentschaftskandidatin ins Spiel brachte. Andererseits schlug sie sich aber nicht auf die Seite des vehementesten Steger-Kritikers: Jörg Haider setzte zu jener Zeit dazu an, Steger zu stürzen und den unaufhaltsam scheinenden Abstieg der damaligen kleinen Regierungspartei zu stoppen und den Kurs radikal zu ändern. Als die kleine Koalition 1986 zerbrach und Neuwahlen ausgeschrieben wurden, galt Partik-Pablé der neuen Parteiführung als zu Steger-nahe. Nun musste sie selber die strategischen Reserven mobilisieren: Ein unabhängiges Personenkomitee warb um Vorzugsstimmen, die unerwartet hohen Gewinne in Wien sicherten ihr den Wiedereinzug ins Parlament. Dort hatte sie sich sowohl als Sicherheitssprecherin als auch als Behindertensprecherin einen Namen gemacht. In der einen Funktion verfocht sie eine stramme Law-and-Order-Linie. In der anderen setzte sie ihre Erfahrung als Mutter eines behinderten Kindes um: Alle loben ihre Einfühlsamkeit in diesen Fragen. Karriere hat sie aber nicht gemacht - in guten Zeiten wurden ihr immer Männer vorgezogen. Männer, die sich dem Vorbild und den Vorgaben von Jörg Haider bedingungslos anpassten. So blieb sie immer in der Reserve, wenn es um Posten wie den des (Dritten oder Zweiten) Nationalratspräsidenten, die Klubführung oder die Wiener Parteispitze ging. Im Alter von 61 Jahren wurde sie nun noch einmal aus der Reserve geholt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2001)