Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Reuters/Cukovic
Wien - Wenn das alles so stimme, werde es "rigorose Strafen" geben, zürnte Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (ÖVP): "Ich lasse mir durch einige schwarze Schafe nicht den Ruf einer ganzen Branche zerstören." Sein Zorn gilt jenen mehr als 60 Bauern in Niederösterreich, Oberösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, die ihre Schweine jahrelang mit illegalen Medikamenten vollgepumpt haben sollen. Die Ermittlungen laufen freilich seit mehr als eineinhalb Jahren. Und über die ersten Fahndungsergebnisse, die Gefahr einer Zunahme dieser illegalen Praktiken und juristische Mängel wurden das Landwirtschaftsministerium, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium bereits vor fast einem Jahr informiert. Nur einen Tag nachdem der federführende Fahnder Josef Friedl Sachverhaltsdarstellungen weitergeleitet hatte, warnte der Umweltkriminalist am 14. Februar 2000 im Gespräch mit dem STANDARD vor den Folgen für Mensch und Natur (siehe Faksimile). Damals wurden zwei Personen angezeigt, rund ein Dutzend weitere verdächtig. Was Molterer auch wusste, es scheint bis heute nicht gelungen zu sein, Gesetzeslücken zu schließen. Denn der Einsatz illegaler Medikamente kann, wie berichtet, mangels entsprechender Ausführungsverordnung nicht geahndet werden. Die laufenden Ermittlungen, die von der "Zentralstelle zur Bekämpfung der Umweltkriminalität" - die mit dem Landwirtschaftsministerium in Kontakt steht, und von diesem auch zwecks Fahndungsoptimierung mit entsprechendem Gerät beschenkt wurde - koordiniert werden, wurden inzwischen von Interpol über die Grenzen ausgeweitet. Mehrere deutsche Tierärzte stehen in dringendem Verdacht, ohne behördliche Meldung in Österreich tätig (gewesen) zu sein; etliche wurden mehrmals wegen Verstößen gegen das Arzneimittel- und Tierärztegesetz sowie illegaler Einfuhr verbotener Arzneien angezeigt. Einer davon ist etwa der deutsche Tierarzt Andreas G. Einer seiner betreuten niederösterreichischen Bauern hat - nach Beschlagnahme der bei ihm gefunden verbotenen Arzneien - zu Protokoll gegeben, dass seine "Schweindln" halt gehustet hätten und er deshalb eben "Pulverln" gebraucht habe. Und die habe ihm sein Viehdoktor, Andreas G., dagelassen. Und zwar gleich 25 Kilo für die 350 Schweine. Eine Menge, die zur Herstellung von 22 Tonnen medizinischem Schweinefutter gereicht hätte. Die bisher entdeckten und beschlagnahmten Medikamente - Enzyme, Wachstumsförderer, Hormone und Antibiotika - stehen im Verdacht, beim Menschen zu Resistenzen, Erbgutschädigungen und Krebs zu führen. Starke Lobby Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, es müsse damit gerechnet werden, dass sich der Medikamentenskandal noch mehr ausweitet. Dass in den vergangenen eineinhalb Jahren - trotz regelmäßiger Berichterstattung - keine Maßnahmen gesetzt worden seien, liege daran, "dass sehr viele Interessengruppen versucht haben, den Deckel draufzuhalten", vermutet ein Ermittler gegenüber dem STANDARD. "Aber das ist wie bei einem Wasserball. Der kommt auch immer wieder an die Oberfläche." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2001)