Wien - SPÖ und Grüne haben am Dienstag den Auftritt von Sozialminister Herbert Haupt beim EU-Ministertreffen in Norrköping kritisiert. SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer forderte den Minister zu mehr Sensibilität in Frauenfragen auf. Die Grüne Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr warf Haupt vor, sein Versprechen bei der Behindertenmilliarde zu brechen. Wenn Haupt die Behindertenmilliarde als Gleichstellungsinstrument präsentiere, stellt sich für Prammer die Frage, ob für ihn Frauen "a priori Sozialfälle" sind. Frauen fänden bei Haupt offenbar "nur als Behinderte oder Teil der Familie ihre Repräsentanz", kritisierte die SPÖ-Frauenvorsitzende. Haupt scheine seinen Weg als für Frauenangelegenheiten zuständiges Regierungsmitglied noch nicht gefunden zu haben. Gleichzeitig betonte Prammer aber, dass sie "selbstverständlich die berufliche Eingliederung behinderter Frauen unterstütze." Haidlmayr warf Haupt vor, mit seiner Ankündigung, die Behindertenmilliarde dafür zu verwenden, um 8.000 behinderte Menschen in den ersten und zweiten Arbeitsmarkt einzugliedern, breche er sein Versprechen, wonach die Behindertenmilliarde ausschließlich für die Integration behinderter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt verwendet werden solle. Behinderte Menschen könnten damit wie bisher in Sondereinrichtungen beschäftigt werden. Derartige Beschäftigungen würden aber kein sozialversicherungsrechtliches Dienstverhältnis begründen. "Haupt setzt damit weiterhin auf Segregation von behinderten Menschen statt auf Integration", kritisierte Haidlmayr. (APA)