Berlin - Die deutsche Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat Nigeria eindringlich aufgefordert, die Menschenrechte zu achten. Anlass für den Aufruf war das Schicksal der 17-jährigen Nigerianerin, die nach einer Vergewaltigung schwanger geworden und deshalb nach islamischem Sharia-Recht ausgepeitscht worden war. "Das unmenschliche Urteil verletzt die Menschenrechte in einem dramatischen Ausmaß", erklärte Wieczorek-Zeul am Freitag in Berlin. Die junge Frau sei Opfer einer schweren Straftat geworden und hätte Anspruch auf staatlichen Schutz gehabt. Stattdessen habe der Staat sie erneut zum Opfer gemacht und lasse die Täter unbehelligt, kritisierte die Ministerin. "Die staatlichen Stellen, die dafür verantwortlich sind, verhöhnen das Recht." Wieczorek-Zeul forderte die nigerianische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass derartige grausame und entwürdigende Strafen künftig unterbleiben. In einem Schreiben an den nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo erinnerte sie daran, dass Nigeria der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen angehöre. Mit Peitschenhieben bestraft Nairobi/Abuja - Eine 17-jährige Jugendliche, die nach einer Vergewaltigung schwanger geworden war, ist im Norden Nigerias trotz internationaler Proteste mit 100 Peitschenhieben bestraft worden. Wie Regierungssprecher Bashir Sanda in der Hauptstadt Abuja am Mittwoch bestätigte, wurde die Strafe nach dem islamischen Recht, der Sharia, in dem Bundesstaat Zamfara bereits am Freitag vollzogen. Die Verurteilung: Vorehelicher Sex und Verleumdung Bariya Ibrahim Magazu war im September vergangenen Jahres nach eigenen Angaben von drei Bauern aus ihrer Nachbarschaft vergewaltigt worden. Vor einem Gericht leugneten die mutmaßlichen Vergewaltiger die Tat. Die 17-Jährige wurde zu 100 Peitschenhieben zur Strafe für vorehelichen Sex sowie 80 weiteren wegen angeblicher Verleumdung verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe bis zwei Wochen nach der Entbindung aus. Auspeitschung vorverlegt Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, darunter auch Amnesty International, hatten gegen die Strafe, die ursprünglich am 27. Jänner vollzogen werden sollte, protestiert. Die Angeklagte hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Auf Grund der Welle der internationalen Proteste sei die öffentliche Auspeitschung schließlich ohne Vorankündigung vollzogen worden, erklärte Sanda. Zamfara war das erste von acht nigerianischen Bundesländern im moslemisch dominierten Norden des westafrikanischen Staates, das vor einem Jahr die Sharia eingeführt hat. (APA/dpa)