Gleich mit dem ersten Film Millionen Zuschauer in aller Welt zu erreichen, davon träumt jeder Regisseur. Das Internet macht es möglich. Nachwuchstalente nutzen immer öfter das Web als Spielwiese, um sich vor einem - zumindest theoretisch möglichen - Millionenpublikum zu präsentieren. Zugleich können sie sich online um Hollywood-Unterstützung für größere Spielfilmprojekte bewerben. Das renommierte Sundance Festival, das bis Sonntag (28.1.) in Park City (Utah) stattfindet, bietet heuer erstmals auch einen Online-Wettbewerb mit Kurzfilmen an. Bei der Wahl des besten Werks kann jeder Zuschauer mitmachen, notwendig ist nur eine kostenlose Registrierung. Mit einer Standard-Modemverbindung über eine Telefonleitung lassen sich aber höchstens konstante Audiosignale auf den PC laden, als Videomaterial kommen überwiegend Standbilder. Breitband-Verbindungen ermöglichen hingegen zumindest bei digital übertragenen Kurzfilmen schon eine Bildqualität auf TV-Niveau. Zweistündige Spielfilme auf dem PC-Bildschirm können auch Computerbesitzer mit leistungsstarker Internet-Verbindung bisher nur via DVD genießen, aber in amerikanischen Büros gibt es immerhin schon einen Kurzfilm-Trend, den die "New York Times" als "Kaffeepausen- Theater" beschreibt: An Arbeitsplätzen mit Breitbandanschluss erholen sich gestresste Mitarbeiter, indem sie sich überwiegend kostenlose Unterhaltung herunterladen, bei Anbietern wie www.atomfilms.com oder www.ifilm.com. Diese konnten, anders als gescheiterte Konkurrenten wie Scour.com oder Pseudo.com, das große Aufräumen unter den Dot-Coms überleben. Die Firmen verdienen ihr Geld mit Werbung und dem Weiterverkauf der Vorführrechte an Kunden wie Fluggesellschaften. Über 100 Film-Sites bieten online rund 20.000 Streifen an, vom Zeichentrickfilm bis zum Porno. Angehende Regisseure können auf diesem Weg ihre ersten Arbeiten zeigen. Die Vorführrechte an den besten dieser Erstlingswerke werden beim Sundance-Festival inzwischen für fünfstellige Dollarbeträge gehandelt. Für ambitionierte Filmemacher gibt es aber noch einen weiteren Weg, online auf sich aufmerksam zu machen. Das Hollywood- Establishment versucht inzwischen, via Internet frische Talente zu ködern - mit Online-Wettbewerben. Angeboten werden sie etwa vom Studio Universal Pictures, das unter www.hypnotic.com ein "Million Dollar Film Festival" veranstaltete. Hunderte von Kurzfilmen wurden eingereicht, 25 wurden dann online präsentiert. Besucher der Site stimmten über die fünf besten Streifen ab, die jetzt auch beim Sundance-Festival laufen. Die fünf Nachwuchs-Regisseure konnten ein Spielfilmprojekt vorschlagen, der Sieger mit dem vielversprechendsten Manuskript bekommt dazu umgerechnet 14,1 Mill. Schilling (1,023 Mill. Euro). Der populärste Online-Wettbewerb wurde 1997 von den Schauspielern Ben Affleck und Matt Damon unter www.projectgreenlight.com ins Leben gerufen. Zusammen mit den Partnerfirmen Miramax Films und dem Kabelkanal HBO werden dem Autor des besten Drehbuchs eine Million Dollar (1,063 Mill. Euro/14,6 Mill. S) an Produktionskosten geboten. Aus 8.000 Bewerbungen wurden inzwischen die besten 30 ermittelt, Anfang März soll der Sieger feststehen. (APA/dpa)