Wien/Budapest - Beim ungarischen Petrochemie-Konzern BorsodChem haben die neuen Aktionäre in der Hauptversammlung am Mittwoch den gesamten Aufsichtsrat ausgewechselt. Chef des Kontrollgremiums wurde der ehemalige OMV-Manager Georg Stahl, der zur Zeit im Papierkonzern Heinzl arbeitet. Wie bereits berichtet, haben seit September immer wieder Firmen im Umkreis des russischen Energieriesen Gazprom Anteile an BorsodChem aufgekauft. Auch die österreichische Finanzierungsgesellschaft Vienna Capital Partners (VCP) hat sich über eine neu gegründete Tochter, die Central European Oil & Gas (Cego) zu 16,8 Prozent an der BorsodChem beteiligt. In Ungarn war das Engagement der Österreicher immer wieder mit der Gazprom in Zusammenhang gebracht worden, die ungarische Börsenaufsicht merkte ihre Verwunderung darüber an, wie das kleine und relativ unbekannte Wiener Unternehmen die umgerechnet rund 1,2 Milliarden Schilling für die Anteile habe aufbringen können. Der Chef der VCP, der frühere CA-Investmentbank- Vorstand Heinrich Pecina, hat Absprachen mit der Gazprom bzw. deren Petrochemie- Tochter Sibur aber immer in Abrede gestellt. "Es handelt sich um ein reines Finanzinvestment, das Unternehmen ist gut geführt und enorm unterbewertet," setzte Pecina im Gespräch mit dem Standard auf steigende Kurse. "Kalte Übernahme" Analysten in Ungarn sehen die Installierung des neuen Aufsichtsrates als "kalte Übernahme" der BorsodChem durch die Gazprom. Dass die Wiener im Auftrag der Russen handelten, sei nun klar, so ein Banker: "Sonst hätten sie mit nur knapp 17 Prozent der Aktien niemals den Posten des Aufsichtsratschefs bekommen," meinte er. Der Vorstand, bestehend aus Laszlo Kovacs (Vorsitzender) und Zoltan Bordas wurde hingegen bestätigt. Die Zeichen für eine Annäherung zwischen Sibur und BorsodChem auf operativer Ebene mehren sich. "Es gibt Verhandlungen über eine bessere Zusammenarbeit auf einigen Gebieten," sagte Heinrich Pecina, der ebenfalls einem Kontrollgremium der BorsodChem angehört. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 26.1.2001)