Es war ein großer Tag für die "Demokratische Opposition Serbiens" (DOS). Die siegreiche Koalition von achtzehn Parteien und Bündnissen hat am Donnerstag in Belgrad die serbische Regierung konstituiert und damit der Zeit der Gesetzlosigkeit, Konfusion und ungeregelter Machtverhältnisse nach dem Volksaufstand vom 5. Oktober 2000 in Serbien ein Ende gesetzt. Erst jetzt können politische und wirtschaftliche Reformen angepackt werden, "eine neue Ära hat begonnen", konnte man von Abgeordneten im serbischen Parlament hören. Die DOS kann ab jetzt die Machtübernahme langsam im Rahmen der staatlichen Institutionen und des Rechtssystems durchführen. Durch diese Vorgangsweise wollten die neuen Herren Serbiens gleich zu Beginn ihrer Herrschaft neue, demokratische Grundsteine des Staates setzen. "Unsere wichtigsten Ziele sind die Stabilisierung der demokratischen Institutionen und der Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro", erklärte Ministerpräsident Zoran Djindjic. Zu den primären Aufgaben seiner Regierung gehörte auch die Rückkehr der serbischen Flüchtlinge in den Kosovo, der Aufbau eines unabhängigen Justizsystems und, als wichtigster Punkt, der ruinierten Wirtschaft. Obolus Obwohl die DOS eine Zweidrittelmehrheit im serbischen Parlament hat, sind einzelne Fraktionen untereinander zerstritten. Premier Djindjic vergab als Obolus wegen der komplizierten Zusammensetzung der DOS sieben Ämter von Vizepremiers an Parteiführer aus diesem Zusammenschluss, aber das ist auch sein einziges Zugeständnis. Die Regierung bildete er ganz nach seinem eigenen Willen. Siebzehn Fachminister gelten als hervorragende, meist junge, international anerkannte Experten - im Durchschnitt sind sie 44 Jahre alt -, die teilweise vor dem Regime von Expräsident Slobodan Milosevic geflohen waren und nun dem Ruf von Djindjic gefolgt sind, um das "Meisterstück der serbischen Wiedergeburt" zu vollbringen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2001)