Schladming/Graz - "Wir brauchen ein Korridorsystem. Damit in der Menschenmasse nicht so viel Druck entsteht", sagt Richard Sieder, Gendarmeriekommandant von Schladming. Denn das sicherheitstechnisch für 35.000 Besucher konzipierte Schladminger Gelände war beim Nachtslalom vor wenigen Tagen übervoll. 40.000 Skifans hatten das Areal gestürmt. Der Zielraum war komplett verstopft. An den Ein- und Ausgängen gab es keine Bewegung mehr in der Menschenkette. "Das Gedränge war enorm. Viele litten unter Platzangst", meint Sieder. Glücklicherweise sei außer "Kleinigkeiten" wie Kreislaufproblemen nichts passiert. Ein Augenzeuge im STANDARD - Gespräch: "Ich bekam Herzrasen, weil ich wie im Schraubstock eingeklemmt war. Und weit und breit niemand, der dir helfen kann." "Wir können ja die Besucher nicht aussperren", meint Nachtslalom-Organisator Hans Grogl. Man habe extra den Vorverkauf bei 12.000 Karten gestoppt. Doch es seien allein hundert Autobusse mehr gekommen als erwartet. "Wie soll man denn das in den Griff bekommen?" Ein Korridorsystem sei bei Freiluftveranstaltungen nur schwer aufzubauen. Druck abbauen "Man müsste bei einer Überfüllung die Härte haben und einfach niemanden mehr reinlassen", meint Rupert Kisser, Leiter des Wiener Forschungsinstituts "Sicheres Leben". Denn: "Irgendwann kämpft jeder nur mehr um seinen eigenen Atem. Wenn dann einer stürzt, läuft ein Dominoeffekt ab." So sei bei der Tragödie am Bergisel in Innsbruck vor mehr als einem Jahr - bei einer Snowboard-Veranstaltung wurden fünf Mädchen zu Tode getrampelt - der Druck in der Masse zu groß geworden. Dieser könnte nur durch groß konzipierte Ein- und Ausgänge verhindert werden. Seine Kritik: "Oft gibt es kein Risk-Management, weil sich die Veranstalter auf die behördlichen Auflagen berufen." (koe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. Jänner 2001)