Cape Canaveral - "Was für ein wunderschöner Tag." Mit diesen Worten betrat Kommandant Dick Scobee am 28. Jänner 1986 die Brücke zur Raumfähre Challenger. 73 Sekunden nach dem Start an dem eiskalten, klaren Morgen geschah das Unfassbare: 14.000 Meter über dem Atlantik explodierte die Raumfähre Challenger vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt. Für die NASA war es ein Schock, der das Vertrauen in die Sicherheit der Fähren zutiefst erschüttert und dessen Nachwirkungen noch heute zu spüren sind. Der Schrecken der NASA-Bodenkontrolle war für die Millionen Fernsehzuschauer förmlich zu spüren - weil nichts zu hören war. Während auf den Bildschirmen die zwei auseinander schießenden Rauchsäulen zu sehen waren, verschlug es der Bodenkontrolle für mehrere Sekunden die Sprache. Im Äther herrschte entsetztes Schweigen. Vermeidbare Ursache Besonders schmerzlich für die NASA war, dass die siebenköpfige Crew bei einer durchaus vermeidbaren Katastrophe ums Leben kam. Unmittelbar ausgelöst wurde das Unglück durch defekte Dichtungsringe an einer der beiden Schubraketen, die an dem ungewöhnlich kalten Jännermorgen durch die Kälte porös geworden waren und dann während des Flugs undicht wurden und leicht entzündliche Gase freisetzten. Doch dies war nur der direkte Auslöser. Eine mühselige Untersuchung, die die amerikanische Nation monatelang beschäftigte, brachte eine wahre Fehlerkette ans Tageslicht. So hatte die Raumfahrtbehörde NASA unter einem ungeheuren Termindruck gestanden. Vor allem aber funktionierte die Kommunikation innerhalb der riesigen Behörde nur mangelhaft. Vergebliche Warnungen So hatten die Hersteller der Dichtungsringe schon lange gewarnt, dass sie bei tiefen Temperaturen porös werden könnten. Am Starttag herrschte für Florida ungewöhnliche Kälte von Minus sechs Grad. Die Ringe waren aber nur bei Temperaturen ab 11 Grad sicher. Die Warnungen erreichten jedoch nur die mittlere Führungsebene, die unter dem Termindruck einfach abwiegelte. Die NASA-Chefs erfuhren nie etwas von der Mitteilung, die das Leben von sieben Astronauten hätten retten können, darunter das der unter 11.000 Bewerbern ausgesuchte Lehrerin Sharon Christa McAuliffe, deren Flug ins All Millionen Schulkinder inspirieren sollte. Seitdem heißt es lieber: bitte warten Dass die NASA aus ihren Fehlern dazu gelernt hat, zeigte nicht zuletzt die Verschiebung des Atlantis-Flugs Mitte Jänner. Die Techniker hatten eine weitere Überprüfung der Kabelverbindungen zu den Feststoffraketen gefordert, nachdem bei dem Schwesterraumschiff Endeavour mögliche Fehlerquellen in einer neuen Untersuchung entdeckt worden waren. Auch wenn alle Backup-Leitungen funktionierten, bekannte sich die NASA zu ihrem Motto, das seit der Challenger-Katastrophe gilt: "Sicherheit geht über alles!" So wurde eine Überprüfung aller Kabelverbindungen angeordnet und der Start um mindestens drei Wochen verschoben. Zugleich werden zurzeit alle Raumfähren mit einem neuen, gläsernen Cockpit ausgerüstet, in dem die Piloten die wichtigsten Daten erstmals auf modernsten Flachbildschirmen in auffälligen Farben sehen können. Hinzu kommt ein neues Navigationssystem. Verbesserungen Als erstes wurde die Atlantis umgerüstet. Bis zum Jahr 2002 sollen alle Fähren das neue Cockpit erhalten haben, das es nach Angaben der Piloten viel leichter und sicherer macht, das Shuttle zu fliegen. Für viele Beobachter wirkt die große Vorsicht der NASA seit dem Challenger-Unglück manchmal fast übertrieben, wenn etwa wegen schlechter Wetterbedingungen an einem weit entfernten zweiten alternativen Notlandeplatz ein Start wieder einmal verschoben wird. Aber die NASA will fast 20 Jahre nach dem ersten Start einer Fähre nicht das Risiko eingehen, noch einmal ein Shuttle explodieren zu sehen. (APA/dpa/red)