Unser Viktor K. ist ein Hai in der internationalen Politik. Wir Österreicher haben ja keine Ahnung, wie geschmeidig sich unser Herr Bundeskanzler durch die Fluten der europäischen Politik bewegt: Sitzt er zum Beispiel mit Gerhard Schröder im Preßhaus und spendiert ihm gastfreundlich ein Wiener Schnitzel, dann umsulzt ein schrammeliges "Lippen schweigen, flüstern Geigen" das Herz seines nördlichen Kollegen. Viktor K. weiß, das ist der Moment. Jetzt presst er Schröder aus: "Sag mal, Gerhard, was denkst du eigentlich über . . . ?"- Schröder schweigt. Denn die Geigen flüstern und der Gaumen frohlockt.

Schröder schweigt nicht lange, denn eine österreichische Stechmücke am Unterschenkel zwingt ihn zur Frage: "Und Du, Viktor, wie machst Du das eigentlich mit den . . .?" oder "Viktor, wie könnt Ihr da noch neutral bleiben, bei so vielen . . . ?"

Strategie der Mücken

So oder so ähnlich kommt der hohe Dialog ins Laufen. Die Worte fliegen. Die Mücken stechen. Und Viktor erzählt vielleicht von seiner Strategie für Österreich, die jede Mücke zum Unternehmer mache und dadurch nicht mehr stechen müsse. Wir wissen's nicht, wir ahnen's nur. Jedenfalls sei die österreichische Sozialdemokratie seit dem Hainburger Manifest, wo auch fest gestochen wurde, praktisch immun gegen Mücken.

Irgendwann, einige Viertel (-stunden) später, reißt unser Herr Viktor K. aber einen Stern. Einen großen. Einen, der die Sonne über Wien verfinstert hätte, wäre es nicht schon Nacht gewesen. Der Stern war so gewaltig, dass sogar der deutsche Stern (Nr. 31, S. 34) ihn bestaunt.

Mein Volk, erzählt Viktor im Dreivierteltakt, ist in den letzten Jahren von sieben auf acht Millionen angeschwollen. Ja, angeschwollen. "Aber nicht durch die Kraft österreichischer Lenden", analysiert er messerscharf, "sondern ausschließlich durch Zuwanderer vom Balkan." Zitat Ende. Soviel wissen wir vom Stern.

Schröder staunte, die Mitarbeiter Schröders staunten, die Journalisten staunten, ja selbst so manche Mücke staunte und vergaß aufs Stechen. Was hörten sie da? Die Kraft österreichischer Lenden ist erlahmt. Die armen Österreicher. Hätten sie nur auf den Groer gehört.

Klimas "Frühstück"

War Wolfgang Schüssel nur beim Brüsseler Frühstück ausgerutscht, so sorgt Viktor Klima dafür, dass Österreichs Regierung auch bis in die späten Abendstunden peinlich ist. In vino veritas. Im Spritzer Balkanhass.

Was machen wir jetzt mit der Million vom Balkan. Bürgern wir sie alle ein? - Dann erlahmen wohl auch den Neu-Österreichern über kurz oder lang die Lenden. Sonst wäre ja nicht erklärbar, dass die Klimas, Caps, Hostaschs und Rudas, die den fruchtbaren Weiten unserer Nachbarländer entstammen, selbiges passiert ist. Oder lassen wir die Million vom Balkan zur Auffettung unserer Pensionskassen und Bevölkerungsstatistik einfach da? Ohne Wahlrecht, versteht sich! - Das wäre aber auch nicht klug. Wie soll der arme Schlögl so etwas der Krone und dem Haider ausdeutschen?

Fragen über Fragen, die unser Herr Bundeskanzler so kurz vor der Wahl aufwirft. Eine Frage hat er aber klar und deutlich beantwortet: Das Alkoholverbot während der Arbeit sollte nicht nur für Busfahrer gelten.

Dr. Volker Kier ist Klubobfraustellvertreter des Liberalen Forums.