STANDARD-Redakteur Thomas Mayer aus Brüssel

EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat am Montag zum Beginn des EU-Agrarrates in Brüssel eine vorläufige Zwischenbilanz der Folgen der jüngsten BSE-Krise in der Union vorgelegt. "Die Krise geht viel weiter, als manche glauben wollen", heißt es darin. Die neuesten Zahlen seien "alarmierend".

Die Kommission zeichnet zerstörerische Folgen für das System der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf, sollten nicht viel weiter gehende Gegenmaßnahmen als geplant getroffen werden: Seit Oktober ging ist der Rindfleischkonsum EU-weit um 27 Prozent zurück. Gleichzeitig haben die meisten Drittländer die Einfuhr von EU-Rindfleisch gestoppt. Zusätzlich ist die Produktionsmenge in der Union gestiegen. Angesichts dieser Zahlen zeichne sich für Ende 2001 ein Rindfleischüberschuss von 795.000 Tonnen ab - zuzüglich 500.000 Tonnen (von rund 2 Millionen Rindern), die laut einem Vorschlag von Dezember ohnehin geschlachtet und vernichtet werden sollten.

Damals hatte man viel geringere Ausfälle angenommen, mit entsprechend überschaubarer "Intervention", indem die Union den Bauern ihr unverkäufliches Fleisch abnimmt und auf Lager legt. Bei einem Rückgang von 10 Prozent im Jahresschnitt könnte der nicht verkäufliche Fleischberg Ende 2003 auf 1,734 Millionen Tonnen anwachsen, heißt es jetzt. Bei 12 Prozent Rückgang wären es sogar 2,3 Millionen Tonnen.

Angesichts solcher Mengen (die Union könnte "nur" eine Million Tonnen lagern), schlägt Fischler eine viel schärfere Vorgangsweise vor: Alle EU-Länder müssten die Vernichtung von rund 2 Millionen Rindern über 30 Monaten durchführen (nur Frankreich und Irland haben begonnen) und sogar noch ausweiten. Auch solle über eine "Herodesprämie", die frühe Kälberschlachtung, nachgedacht werden.

Dass man das überschüssige Fleisch Bauern per "Intervention" aufkauft, hält Fischler für sinnlos. Die Lagerhaltung käme die Union um einige Milliarden Euro teuer als die sofortige Vernichtung - Geld, das im Agrarbudget auch gar nicht vorhanden ist. Dadurch sind wiederum sonstige EU-Programme - wie die Entwicklung des ländlichen Raumes oder Umweltprojekte - akut gefährdet.