Villach - Der Kärntner Halbleiterzulieferer SEZ will nach einer Umsatzsteigerung von rund 130 Prozent im Vorjahr mit neuen Produkten und Anwendungen heuer um weitere 35 Prozent auf 2,3 Mrd. S (167,1 Mio. EURO) wachsen. Dazu gehört der 25 Millionen Schilling (1,8 Mio. EURO) teure Vier-Kammer-Spinprozessor für die Nassätzung und Reinigung von 300-mm-Wafern (Siliziumscheiben) für die globale Mikrochipindustrie. Infineon Dresden hat bereits einige Anlagen bestellt.

Während SEZ in den 90er-Jahren mit dem selbst entwickelten und patentierten Spinprozessor zur Bearbeitung der Wafer-Rückseite eine Marktnische geschlossen hat, konzentriere man sich nun verstärkt auf die Vorderseite (Chipseite), sagt Vorstandsvorsitzender Franz Sumnitsch.

Ausschlaggebend für das rasante Wachstum im Vorjahr war der asiatische Markt (Taiwan und Singapur), wo rund 60 Prozent des Umsatzes von 1,7 Mrd. S (123,5 Mio. EURO) erwirtschaftet wurden. Um das Risiko zu reduzieren, strebt Sumnitsch künftig eine gleichmäßige Umsatzverteilung auf Europa, USA, Asien und Japan an.

15 bis 18 Prozent des Umsatzes für die Entwicklung

Etwa 100 der 380 Mitarbeiter in Villach sind in den Bereichen Forschung und Entwicklung beschäftigt. Im Schnitt fließen 15 bis 18 Prozent des Umsatzes in die Entwicklung. Zu den Kunden gehören über 70 Mikrochip- und Waferhersteller, darunter Infineon, AMS, IBM, NEC, Philips, ST Microelectronics und Toshiba.

SEZ wurde 1986 vom Elektrotechniker Egon Putzi und dem Maschinenbauer Franz Sumnitsch gegründet, die zuvor in Graz-Unterpremstätten das Halbleiter-Joint-Venture von VOEST-Alpine und dem amerikanischen Unternehmen AMI (heute AMS) aufgebaut hatten.

In den 80er-Jahren reifte die Idee des Spinprozessors heran, wobei die Vorfinanzierung für die Produktentwicklung über Fremdkapital und Venture-Capital-Partner erfolgte. 1990 wurde der erste Prozessor an Siemens ausgeliefert, diese Woche erfolgt die Übergabe der 500. Maschine für die Bearbeitung der Rückseite von Acht-Zoll-Wafern an die Villacher Siemenstochter Infineon.

Während Putzi und Sumnitsch zwölf Prozent der Aktien besitzen, ist der Rest unter kleinere und mittlere Investoren gestreut. Den Absturz der Aktie von 1750 auf 880 EURO in den letzten Monaten an der Zürcher Börse führt Sumnitsch auf die kritische Stimmung nach der extremen Hochphase zurück: Obwohl SEZ ein Maschinen- und Anlagenbauer sei, sei man an das Image der New Economy angekoppelt. Der Aktie selbst mag eine jüngste Höherstufung einer Schweizer Bank helfen. (Josef Schneeweiß, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 29. 1. 2001)