Brüssel - Die EU-Landwirtschaftsminister haben sich formell auf weitergehende Bestimmungen zum Schutz der Verbraucher vor BSE geeinigt. Danach sollen Separatorenfleisch von Wiederkäuern und die Wirbelsäule von Rindern aus der Nahrungskette genommen werden, wie die deutsche Landwirtschaftsministerin Renate Künast Dienstag Früh zum Abschluss des Agrarrates in Brüssel mitteilte. Auch Antibiotika in der Schweinemast sollen schon bald der Vergangenheit angehören, wie eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte. Von einer Entfernung der Wirbelsäule von Rindern wären auch T-Bone-Steaks betroffen. Die Details des Verbotes sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Die Kommission will ferner noch vor Ende des Jahres einen Vorschlag vorlegen, der ein Auslaufen der Erlaubnis von Antibiotika in Futtermitteln regeln solle. Die Antibiotika werden unter anderem dazu eingesetzt, dass die Tiere schneller wachsen und schlachtreif werden. In der EU sind derzeit noch vier Antibiotika als Masthilfe erlaubt. Die EU-Minister einigten sich laut Schlussfolgerungen auf insgesamt drei weitere BSE-Schutzmaßnahmen. Neben dem Wirbelsäulen-Verbot soll künftig auch sämtliches Separatorenfleisch, das maschinell vom Rinder- und Schafsknochen abgeschabt wird, aus der Nahrungskette verbannt werden. Zudem soll Rinderfett künftig unter Druck erhitzt werden, um mögliche Erreger abzutöten. Das Fett, welches unter anderem in Milchersatz an Kälber verfüttert wird, gilt als möglicher BSE-Überträger. Die deutsche Ministerin, Renate Künast (Grüne), hatte in weiten Teilen strengere Vorschriften verlangt. Diese seien aber nicht durchsetzbar gewesen, räumte sie ein. Künast scheiterte zudem mit ihrem Vorschlag, auf EU-Ebene die Testpflicht für Rinder auf alle Tiere ab 24 Monaten auszuweiten. Die meisten EU-Staaten hielten die derzeitige Altersgrenze von 30 Monaten für ausreichend. Über die von Deutschland geforderte Verlängerung des EU-weiten Fütterverbots von Tiermehl soll später entschieden werden. Angesichts des Zusammenbruchs des Rindfleischmarkts wollen die Minister zudem die Beef-Produktion in der EU drosseln. Die Entscheidung über die umstrittene Tötung von rund 400.000 Rindern in Deutschland wird noch in dieser Woche fallen. Künast sagte, der Beschluss werde "eventuell" in der Kabinettssitzung am Mittwoch gefällt. Sie machte deutlich, dass sie keine Alternative zu der Massenvernichtung mehr sieht. Es gebe "ungeheuren Druck" von EU-Agrarkommissar Franz Fischler und den EU-Kollegen, dass Deutschland sich dem Programm anschließe. Anderenfalls entstünden der Union zusätzliche Kosten. Ihr sei klar gemacht worden, "dass wir unser Problem nicht auf Kosten anderer Länder lösen können", sagte Künast. Die Rinderzüchter der USA haben unterdessen am Montag als Abwehrmaßnahme gegen die BSE-Seuche eine "hundertprozentige" Einhaltung des Verbots von Tiermehl aus Fleisch und Knochen als Tierfutter gefordert. Auf einer Tagung in Washington verlangten sie außerdem eine strikte Überwachung des seit vier Jahren geltenden Importverbots solcher Produkte und eine ständige Überprüfung der 97,3 Millionen Rinder in den USA. Sie reagierten auf die alarmierende Nachricht, dass in Texas 1.200 Rinder unter Quarantäne gestellt wurden. Die Tiere waren mit Futter gefüttert worden, in das ein großer Konzern versehentlich Rinderknochen gemischt hatte. Die Gefahr einer Ansteckung ist allerdings gering, da in den USA noch kein Rinderwahnsinn festgestellt wurde. (APA)