Die Sitzung des Nationalrates am Donnerstag steht ganz im Zeichen der aktuellen Fleisch-Krise. Bereits in der Fragestunde am Beginn der Sitzung (um 9 Uhr) wird Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Die ersten vier der insgesamt 26 Tagesordnungspunkte sind Vorlagen aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft: der Grüne Bericht 1999, der Wildschadensbericht sowie Anträge der Grünen und der SPÖ zum Schutz des Waldes bzw. zur "Sicherung des Waldes als Erholungsgebiet" (beide Oppositions-Anträge fanden im Landwirtschaftsausschuss keine Mehrheit). Mit dem Grünen Bericht wird ein Vier-Parteien-Antrag behandelt, in dem ein Verbot der Verwendung von Tiermehl in Düngemitteln gefordert wird. Minister Molterer sprach in diesem Zusammenhang von einer Vorsichtsmaßnahme, die bei Vorliegen entsprechender wissenschaftlicher Klarheit neuerlich diskutiert werden sollte. Das Thema steht ab dem Tagesordnungspunkt zwölf mit einem Gesundheits-Paket noch einmal auf dem Programm. Zuvor werden die Abgeordneten noch einen Bericht des Rechnungshofs über die Auftragsvergabe im Bundesstraßenbau behandeln. Der Rechnungshof hat bei dieser Prüfung Verstöße gegen vergaberechtliche Vorschriften aufgedeckt. Dies hätte teilweise dazu geführt, dass die notwendige Transparenz des Vergabeverfahrens nicht mehr gegeben war und der Zuschlag an Bieter erteilt wurde, die nicht Bestbieter im Sinne des Gesetzes waren, so der Bericht. Weiters wurden bei einigen Bauvorhaben Abrechnungsmängel mit wesentlichen Kostenwirkungen festgestellt. Das aus den Vergabemängeln und Abrechnungsmängeln resultierende Einsparungspotenzial bezifferte der Rechnungshof mit rund 32,8 Mill. S bei den überprüften Straßenbauvorhaben. Nachdem die Koalition die Volljährigkeit im Kindschaftsrecht von 19 auf 18 Jahre abgesenkt hat, wird der Nationalrat mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP die entsprechenden Änderungen im Strafrecht vornehmen. Ab 1. Juli wird das Jugendgerichtsgesetz nur mehr bis zum 18. Geburtstag des Straftäters und nicht wie bisher bis zum 19. Geburtstag zur Anwendung kommen. Zum Ausgleich dafür werden Elemente eines Heranwachsendenstrafrechts für Täter, die maximal 21 Jahre alt sind, ins Strafrecht aufgenommen. Die nächsten vier Punkte der Tagesordnung betreffen den Universitätsbereich. Mit einer Novelle zum UOG und zum Hochschultaxen-Gesetz soll die Position der Universitäten als Anbieter von Fort- und Weiterbildungsangeboten gestärkt werden. So wird ein marktorientierter Ermessensspielraum für die Bezahlung von Lehrtätigkeiten im Rahmen von Universitätslehrgängen geschaffen. Im Hochschülerschaftsgesetz wird dann das "e-voting" - also die Stimmabgabe über Internet - bei ÖH-Wahlen eingeführt. Im Rahmen eines Pilotprojekts soll an der Wirtschaftsuniversität Wien die ÖH-Wahl 2001 bereits per e-voting durchgeführt werden. Ein Antrag der SPÖ zum Hochschülerschaftsgesetz, der das passive Wahlrecht für alle Studierenden, unabhängig von der österreichischen Staatsbürgerschaft, vorsieht, wurde bereits im Wissenschaftsausschuss von der Regierungsmehrheit abgelehnt. (APA)