Öblarn - Also, die Extrawurst gehört zu Punkt eins. Das Klopapier in Spalte sechs. Oder doch nicht? "Das mit dem Haushaltsbuch ist schon extrem mühsam." Die junge Mutter aus Öblarn wirft einen kurzen, unsicheren Blick auf ihre Schuhe. Zupft die bunte Haube ihrer Tochter Sandra zurecht. "Aber das stört mich nicht", sagt sie schnell. Das tägliche Aufschlüsseln der Ausgaben in Listen ist eben Teil des Deals. Damit sie den Kinderscheck bekommt. In der obersteirischen 1500- Seelen-Gemeinde läuft seit Jahresanfang ein Kinderscheck-Pilotprojekt. Wobei das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) die regionale Kaufkraft des Scheckgeldes in einer Studie erforscht. Das Sozialministerium trägt die Gesamtkosten von 3,5 Millionen Schilling. Ein Jahr lang erhalten 58 Frauen 6000 Schilling (436 €) für das jeweils jüngste Kind bis zu sechs Jahren. Ab dem vierten Lebensjahr gibt es nur 3500 Schilling in bar. Den Rest in Form von Kinderbetreuungsgutscheinen. Der Clou: In Öblarn kostet der Pfarrkindergarten nur 1000 Schilling, der Gutschein dürfte zum Teil ungenutzt bleiben. Erst heute ist offizieller "Auszahlungstag" in der Bankfiliale. Obwohl die FPÖ im Landtagswahlkampf die Auszahlung ab ersten Jänner zugesagt hatte. Aber: "Alle Sozialleistungen kommen erst am Monatsende", verteidigt FP-Bürgermeister Anton Knerzl "sein" Kinderscheck- Modell. Dieses habe auch Schattenseiten: "Viele der Älteren waren sauer auf mich, und ich hab’ bei den letzten Wahlen verloren." So wettert eine ältere Dame im Drogeriemarkt der tristen Auspendlergemeinde: "Irgendwas stimmt bei der ganzen Sache nicht." Auch Sandras Mutter kennt sich nicht wirklich aus: "Wie es danach weitergeht, weiß ich eigentlich nicht." Jetzt bekommt sie den Scheck, weil er nach 18 Monaten Karenz schlagend wird. Ihre Freundin hat andere Probleme: Die zweifache Mutter kriegt derzeit mit einem Karenzbezug von über 6000 Schilling keinen Scheck. Ebenso wenig, wie ihn alleinerziehende Arbeitslosen- oder Notstandsbezieherinnen erhalten. Knerzl dazu: "Sie bekommen eh’ den Differenzbetrag aufgerechnet. Sollen wir ihnen das Geld denn schenken?" Man agiere überdies großzügig: So wird bei Zwillingen der Gutschein doppelt ausbezahlt. Das Geld nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 1. 2001)