Wien - Die Tage der "Meldemannstraße" sind gezählt. Wobei die Straße selbst in der Brigittenau schon bestehen bleiben wird. Aber das berühmteste Obdachlosenheim überhaupt - in dem auch Adolf Hitler eine Zeit lang gewohnt hatte - wird im Herbst 2002 geschlossen.

Ob stattdessen die Floridsdorfer Siemensstraße zu ähnlichem Ruhm gelangen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird dort um rund 100 Millionen Schilling (7,3 Mio. ) ein neues Wohnhaus für rund 240 Obdachlose errichtet. Und für Sozialstadträtin Grete Laska (SP) soll es auch mehr als nur Ersatz für die Meldemannstraße werden: Es soll "Symbol für die Abkehr vom Verwahrungswesen" für Notleidende werden.

Das Gebäude, das nach den Plänen der Architekten Gruss & Gruss errichtet wird, sieht in den Obergeschoßen Einzelräume für rund 240 Obdachlose vor - wobei für je zwölf Bewohner die entsprechende Infrastruktur wie Sanitärräume, Aufenthaltsraum und Kochgelegenheit bereitgestellt wird. Weiters sind die Zwischenwände flexibel gestaltbar, sodass auch größere Räume für Paare geschaffen werden können. In Notfällen - wie Katastrophen - kann die Kapazität des Obdachlosenhauses auf bis zu 300 Personen gesteigert werden. Sollte sich die soziale Situation in Wien weiter entspannen, kann die Zimmeranzahl auf 120 Plätze reduziert werden.

Und entspannt habe sich die Situation in den letzten Jahren bereits, erklärten Laska und Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) bei der Baustellen-Präsentation am Montag. Seit vier Jahren gehe die Zahl der Wohnungslosen in Wien langsam, aber stetig zurück - dies leiten Laska und Faymann von den Besucherfrequenzen von Gruft und Tageszentren der MA 12 (Sozialamt) ab. Derzeit seien "innerhalb eines Jahres zirka 4000 bis 4500 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen" - den "Flüchtlingsbereich" nicht mitgerechnet.

Notfallsprogramm

Auch zu den Reintegrationsprogrammen für Obdachlose gibt es statistisches Zahlenmaterial: In 70 Prozent der Fälle gelinge eine Rückkehr in "normale" Wohnungen. Und von denen verliert in den Jahren danach lediglich ein Prozent die "dauerhafte Wohnung" wieder, berichtete Faymann. Die jüngste Maßnahme wird seit November 2000 umgesetzt: das "Notfallswohnungsprogramm" für rund 2000 Familien. Diese "Notfallswohnungen" werden in erster Linie Opfern von Wohnungsspekulation und Mietern gesundheitsschädlicher Wohnungen zur Verfügung gestellt.

"Unser wichtigstes Anliegen ist es aber, es gar nicht so weit kommen zu lassen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren", betont Laska. Daher habe man "die Präventionsmaßnahmen in Wien sehr stark ausgebaut". (frei)