Zum Abschluss des Gesprächs überreicht mir Jörg Flecker ein im Auftrag der FORBA von ihm herausgegebenes Buch mit dem Titel "Jenseits der Sachzwanglogik. Arbeitspolitik zwischen Anpassungsdruck und Gestaltungschancen". Darin würde sich der Tätigkeitsbereich des Instituts in ausführlicher Version darstellen. 265 Seiten. Das ist zu viel, um es hier zu referieren. Aber schon die Liste der AutorInnen zeigt, dass die Zusammenarbeit weit über Österreichs Grenzen hinausgeht. 1991 am Papier gegründet und zwei Jahre später auch real - in den Räumlichkeiten eines aufgelassenen Gewerbebetriebs schräg vis-à-vis der Urania -, gehört FORBA bereits seit 1995 dem "EuroNET: WORK & EDUCATION" als Mitglied an und ist an dem im April des folgenden Jahres gegründeten "European Employee Support Network" beteiligt. Man arbeitet international nicht nur im Rahmen gemeinsamer Forschungsprojekte, sondern auch in Form eines kontinuierlichen Informationsaustauschs. So erklärt sich, dass das Institut etwa die Koordination der Fallstudien eines 22 Länder umfassenden vergleichenden Projekts übernommen hat, an dem ein Dutzend renommierter Forschungsstellen aus aller Welt mitwirkt: von Brighton bis Perth (Australien) und von Budapest bis Vancouver. Es geht um die "Verlagerung von Arbeit in der globalen Wirtschaft auf der Basis neuer Kommunikationstechnologien". Die Schwerpunkte, die das Wiener Institut darüber hinaus in dieser Kooperation übernommen hat, decken sich weitgehend mit seinem spezifischen Arbeitsfeld, mit dem es sich in der Fülle von sozialwissenschaftlichen Instituten positionieren konnte: "Arbeitsbedingungen und -beziehungen, arbeitsmarktpolitische Aspekte, Qualifikationsanforderungen sowie neue Chancen bzw. Risken (hinsichtlich Arbeitsteilung und Beschäftigung) für Frauen". Laufzeit drei Jahre, bis 2003. Hauptauftraggeber: die Kommission der Europäischen Union. Die MitarbeiterInnen waren zur Zeit der Institutsgründung zumeist rund 30 Jahre alt; Gesamtpersonalstand - mit fixen Mitarbeitern von außerhalb, Sekretariat und allen, die dazu gehören, damit ein Forschungsinstitut funktioniert - 15 Personen. Jahresumsatz ca. sechseinhalb Millionen. Und die Basissubvention durch das Wissenschaftsministerium beträgt 300.000 Schilling. Wie sich das ausgeht? Klagen gibt es jedenfalls keine, oder sie werden nicht laut. Die Effizienz ist hoch, und die Motivation muss auch stimmen, denn zu den zahlreichen Forschungsberichten kommen noch ebenso zahlreiche Vorträge und Konferenzen, eine ansehnliche Latte von Broschüren (FORBA-Schriftenreihe) und Buchpublikationen. Zur Deregulierung Die pragmatische Fokussierung auf die Arbeitswelt und alles, was mit Deregulierung zu tun hat, sei zum Zeitpunkt der Konstituierung der FORBA weder von universitären noch außeruniversitären Instituten hinreichend untersucht worden, erklärt Jörg Flecker. Und sein Kollege Thomas Riesenecker-Caba verweist auf den Teamgeist der jungen InstitutsgründerInnen, der umso erfolgversprechender war, als sie aus verschiedenen Fachrichtungen gekommen seien. Flecker etwa war ausgebildeter Handelswissenschafter und Soziologe; Riesenecker-Caba hat Betriebsinformatik gelernt; andere brachten Betriebswirtschaft, Informatik, politische Ökonomie und diverse weitere einschlägige Ausbildungen ins Team. Also sozial- und gesellschaftswissenschaftlicher Input und technisch-technologischer Output. Eins kommt zum anderen: Schließlich hat sich die Gründung des Instituts zeitlich noch mit zwei weiteren Entwicklungen überschnitten: erstens mit dem Aufkommen der öffentlich geführten Deregulierungsdebatte in Österreich und zweitens - damit verbunden - mit der Auslagerung von Forschungen und Studien aus den Ministerien. Im Grunde genommen, so Jörg Flecker, hätten auch die Ministerien das Personal, um die Veränderungen in Betrieben und am Arbeitsmarkt wie auch die daraus resultierenden Wirkungen und neuen Anforderungen zu untersuchen. Oder auch die Arbeiterkammer. Dort stünden aber eher politische Fragestellungen an. Die Forschung liefert dafür (von außen) die entsprechenden empirischen Analysen. Jedenfalls wundert man sich nicht, wenn man im Jahresbericht 1999/2000 liest, dass zu den wichtigsten Kooperationspartnern Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Universitätsinstitute zählen. So ist dem sehr spezifisch arbeitenden Forschungsteam eines vorbildlich gelungen: im Kleinen Theorie und Praxis auch jenseits des Instituts allgemein nutzbringend zu verbinden und zu verklammern. Das darf man wohl als eine Art von Lebenskunst bezeichnen. (Martin Adel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 1. 2001).