Manila - Mit der Versteigerung teurer Luxusgüter ihres gestürzten Vorgängers Joseph Estrada will die neue philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo das riesige Loch im Haushaltsloch verkleinern. Neben dem kostspieligen Fuhrpark des Präsidenten sollen das von Estrada zu einem Nachtclub umfunktionierte Staatsschiff sowie mehrere Häuser unter den Hammer kommen, kündigte Arroyo am Dienstag in Manila an. Dies sei auch ein "klares Signal an die Bevölkerung, dass diese Regierung bereit ist, Opfer zu bringen", betonte sie. Estrada hatte nach der Entfernung aus dem Amt vor eineinhalb Wochen der neuen Regierung ein Haushaltsdefizit von umgerechnet rund 40 Milliarden Schilling (2,91 Mrd. Euro) hinterlassen. Nach Angaben von Finanzminister Alberto Romulo gehören überdies unbezahlte Rechnungen in Höhe von knapp 20 Milliarden Schilling zur Hinterlassenschaft des Ex-Präsidenten. Arroyo hat angekündigt, die Finanzlücken mit Einsparungen und mehr Gründlichkeit bei der Steuererhebung schließen zu wollen. Angeblich 15 Konten bei 15 Banken unter verschiedenen Namen entdeckt Estrada soll nach Angaben von Staatsanwälten Hunderte Millionen veruntreut haben. Er soll etwa zwei Monate nach der Amtsübernahme vor zweieinhalb Jahren damit begonnen haben, unter aonymen Konten bei verschienen Banken anzulegen. Bis zum vorzeitigen Ende seiner Herrschaft vor eineinhalb Wochen soll er dann dort Gelder deponiert haben. Die Ermittler kündigten an, sie hätten Papiere gefunden, die dies belegten. Am Freitag würden sie vorgelegt. Der Leiter der Ermittlergruppe im Amt zur Korruptionsbekämpfung, Eduardo de los Angeles, erklärte, es gebe Hinweise, dass Estrada unter verschiedenen Namen 15 Konten bei 15 Banken eröffnet habe. Die Banken seien fast alle auf den Philippinen. Bisher seien insgesamt zwischen zehn und 15 Milliarden Pesos (220 bis 325 Millionen Euro/3 bis 4,5 Milliarden Schilling) ) an ungeklärtem Besitz gefunden worden. Dazu gehörten noch nicht die Dollar-Konten Estradas oder Konten auf den Namen seiner bekannten Geliebten. Eine habe auf einem Konto 600 Millionen Pesos, sagte De los Angeles. Das Geld stamme vermutlich aus Bestechung, Schmiergeldzahlungen und anderen Quellen, die noch nicht bekannt seien. Einige Zeugen hätten noch Angst, ihre Aussagen öffentlich zu machen. Estrada hatte sein Amt im Juni 1998 übernommen. 1999 hatte der frühere Schauspieler ein erklärtes Vermögen von 700.000 Dollar (761.449 Euro/10,48 Mill. S). Im vergangenen Jahr war ein Provinzgouverneur und ehemaliger Freund Estradas an die Öffentlichkeit getreten und hatte erklärt, der Präsident habe riesige Summen an Bestechungsgeldern beiseite geschafft. Nach Massenprotesten und nachdem ihm auch die Streitkräfte die Unterstützung entzogen hatten, war er am 20. Jänner zurückgetreten und seine bisherige Stellvertreterin Gloria Macapagal-Arroyo als Präsidentin vereidigt worden. (APA/AP)