Krisenberichterstattung: Nicht selten finden sich Journalisten dabei in einer "Zwickmühle" wieder - gilt es doch, komplexe Zusammenhänge sachlich darzulegen, zugleich aber auch, die emotionale Tragweite der Tragödie zu transportieren. So skizzierte die Salzburger Kommunikationswissenschafterin Helga Pentek am Montagabend in Wien die Anforderungen an den "Katastrophenjournalismus". Harte Marktgesetze Katastrophenberichterstattung stehe seit einigen Jahren auch in Österreich "voll im Zeichen der Globalisierung", stellte Engelbert Washietl, stellvertretender Chefredakteur des "WirtschaftsBlatts", als Moderator einleitend fest. Die Journalisten müssten somit auch den Gesetzen der Globalisierung Rechnung tragen und sich mit einem "Markt und harten Marktgesetzen" sowie scharfer Konkurrenz auseinander setzen. Qualität in der Krisenberichterstattung "Sensationslust und voreilige Schuldzuweisungen" seien die häufigsten Vorwürfe an den Katastrophenjournalismus, so Pentek, die eine Studie zur Berichterstattung anlässlich des Tauerntunnel-Brandes erstellt hat und nun auch die Berichterstattung des Kaprun-Unglücks analysiert. Qualität in der Krisenberichterstattung werde etwa von Perspektivenvielfalt, Sachlichkeit, Genauigkeit sowie Quellentransparenz bestimmt - oft aber sähen sich die Medienmitarbeiter in der Ausnahmesituation "vor Ort" mit massiven Sachzwängen konfrontiert, die die genannten Kriterien mitunter aus dem Blickfeld verschwinden lassen. "Krisen-PR" Umgekehrt müssten den Journalisten aber auch profunde Informationsquellen zur Verfügung gestellt werden, erklärte Pentek. "Krisen-PR" sei daher unabdingbar und erfordere eine "offene Informationspolitik, Dialogbereitschaft, Glaubwürdigkeit und soziale Verantwortung". Im konkreten Fall Kaprun gab es von beiden Seiten - Medien und Pressestellen - vorsichtiges Lob. Zwar habe man zu Beginn "einfach nur gewusst, es brennt irgend wo", erinnerte sich Thomas Schrems, Redakteur der "Salzburg Krone". Nach einigen Stunden aber sei "die Erreichbarkeit der Quellen" ins Rollen gekommen. Paradebeispiel Kaprun Bereits relativ früh nach Bekanntwerden des Brandes habe man gewusst, "dass es relativ schlimm ausgegangen ist", berichtete Roland Floimair, Chefredakteur des Salzburger Landespressebüros. "Es war klar, dass wir alles mobilisieren müssen, was an Öffentlichkeitsarbeit möglich ist." Prinzip sei es aber stets, "nur gesicherte Informationen herauszugeben". Durch Zentralisierung von Information und Fokussierung der Öffentlichkeitsarbeit habe man dies reibungslos gewährleisten können. Alles in allem sei "Kaprun ein Paradebeispiel dafür, wie es in Österreich auch gehen kann", so Schrems zur Informationspolitik des Landes Salzburg. "Die Ermittler sind immer langsamer als die Presse" Franz Lang, Leiter der Kriminalabteilung der Gendarmerie des Landes Salzburg und Einsatzleiter in Kaprun, verwies auf die "unterschiedlichen Methoden" von Journalisten und Exekutive. "Journalisten stellen vier oder fünf Fragen, verwerten die Essenz und gehen zum nächsten Zeugen", so Langs Beobachtung. "Die Ermittler sind immer langsamer als die Presse." Was von den Medien manchmal als Informationsverweigerung aufgefasst werde, sei in Wahrheit schlicht ein "Informationsvorsprung" der Berichterstatter. (APA)