Wien - Die Kunsthalle am Karlsplatz ist tot, es lebe die Dependance: Wie geplant wird der blau-gelbe Container, der 1992 für heftige Debatten sorgte, weil er den Blick auf die Karlskirche beeinträchtige, abgerissen - wenn auch vier Jahre später als ursprünglich vorgesehen. An seiner Statt errichtet die Stadt Wien neben dem Café ein neues, viel kleiner dimensioniertes Kunst-"Schaufenster". Betrieben wird es von der Kunsthalle, die im Mai ins Museumsquartier übersiedelt. Am 18. März, wenige Tage nach Ende der Ausstellung Lebt und arbeitet in Wien (und wenige Tage vor der Wahl), wird am Karlsplatz eine große "Abschiedsparty" gefeiert. Unmittelbar danach soll, erklärt Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, mit dem Abbruch begonnen. Das Café werde die gesamte Umbauphase über geöffnet bleiben, wenn auch ab Juni eingeschränkt: Für den Betrieb und ein Info-Center will man temporär zwei Baucontainer aufstellen. Mit der Neueröffnung des von Adolf Krischanitz geplanten "Project Space" mit durchgehender Glasfront und einer Ausstellungsfläche von 250 Quadratmetern sei bereits Mitte Dezember zu rechnen. "Die verkleinerte Halle dient als Ort des Experiments, sozusagen als Abteilung Forschung und Entwicklung", umreißt Matt die Programmatik. Die koreanische Künstlerin Kim Sooja werde mit einem in den umliegenden Stadtraum eingreifenden Projekt den Beginn machen. Die Kosten für den Abbau des 900 Quadratmeter großen Containers dürften rund sechs Millionen Schilling betragen, jene für die Errichtung der neuen Halle deren elf bis zwölf. Da aber aufgrund der von Bürgermeister Michael Häupl und Kulturstadtrat Peter Marboe abgesegneten Lösung der Eingangsbereich samt Büro, Shop und Café aufgrund der neuen Lösung erhalten bleibt, erspare sich die Stadt gut vier Millionen Schilling. Gerald Matt ist zufrieden: "Der Kampf hat sich gelohnt. Damit bleibt der Karlsplatz der jungen Szene als wichtiger Treffpunkt und Diskussionsforum mitten in der Stadt erhalten." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 1. 2001)