Seattle/Portland - Sie zündeln im Namen der Umwelt und sie richteten bereits Sachschäden von mindestens 37 Millionen Dollar an. Und immer wieder entwischen sie den Ermittlern der Polizei. Anfang Jänner schlugen die Mitglieder der US-Organisation "Earth Liberation Front (ELF)" erneut zu. Mit einem Brandsatz vernichteten sie das Büro einer Holzfirma in Glendale im Westküstenstaat Oregon. Der Brand sei erst der Anfang einer groß angelegten Kampagne gegen Firmen, die Umweltschäden anrichten, kündigte die ELF in einer Mitteilung an. "In diesem Jahr 2001 hoffen wir, eine Eskalation bei taktischen Maßnahmen gegen den Kapitalismus und die Industrie zu sehen." Dies ist ein Blick auf die "dunle Seite" des Umweltschutzes: Organisationen, die sich von herkömmlichen friedlichen Aktivitäten (inklusive auch des Aktionismus von Gruppen wie Greenpeace) distanzieren und explizit auf Gewalt als Mittel setzen. Sie rechtfertigen dies damit, dass friedlicher Protest zu noch stärkerer Gewalt führe - ausgeübt in dem Fall von Staat und Industrie. So begann es Seit Jahren sind die Öko-Terroristen vor allem im Westen der USA aktiv. Die ELF hat sich mit ihren Taten selbst von den radikalsten Elementen der amerikanischen Ökologie-Bewegung weit abgesetzt. In den achtziger Jahren war im Westen der USA die Organisation "Earth First" aktiv, die über die traditionellen Protestformen von Gruppen wie Greenpeace hinausging. "Earth First"-Aktivisten stoppten Waldarbeiter, indem sie Bäume mit langen Nägeln spickten und Bulldozer beschädigten. Aber die Organisation hat sich inzwischen offiziell von solchen Taktiken distanziert und setzt ganz auf Protestmethoden wie Straßenblockaden und Baumbesetzungen. Die ELF begann 1997 ihre Kampagne und wurde in den vergangenen Monaten auch im Mittleren Westen und im Osten des Landes aktiv. Es werde aber "lediglich Gewalt gegen Sachen ausgeübt, es gab nie Verletzte", sagt Craig Rosebraugh, der als Kontaktmann und Sprachrohr der Öko-Terroristen auftritt. Versteckspiel Rosebraugh, ein 28 Jahre alter vegetarischer Bäcker aus Portland (US-Bundesstaat Oregon), ließ sich nun sogar für eine Fernsehreportage des Senders CBS interviewen und behauptete vor laufenden Kameras, er wisse wirklich nicht, wer ihm regelmäßig die Pressemitteilungen der ELF zuschicke. Er selber sei lediglich ein Vermittler. Das bisher erfolgreiche Versteckspiel der ELF frustriert die Ermittler des Bundeskriminalamtes FBI, das seit dem vergangenen Jahr verstärkt gegen die Brandstifter ermittelt. "Wir glauben, dass Rosebraugh Mitglieder der ELF kennt" sagt der FBI-Agent Dave Szady aus dem Portlander Büro der Behörde. Bisher konnte der Mittelsmann noch nicht überführt werden, aber das FBI hofft, mit besseren Überwachungsmethoden und dem Einsatz von verdeckten Ermittlern das Geheimnis um die Täter zu knacken. Zunahme der Zahl der Anschläge Für die Ermittler herrscht höchste Dringlichkeit, denn die von der ELF angekündigte Eskalation ist bereits in vollem Gang. Jahrelang herrschten zwischen den einzelnen Attacken der Öko-Terroristen jeweils monatelange Pausen. Ihre spektakulärste Tat war im Oktober 1998 die Zerstörung von mehreren Gebäuden im Skigebiet Vail in Colorado. Damit sollte gegen die Ausweitung des Skigebiets protestiert werden, bei der angeblich seltene Luchse bedroht waren. Der nächste Brandanschlag folgte dann zwei Monate später. Er galt dem Büro einer Holzfirma in Medford (US-Bundesstaat Oregon). Im vergangenen Dezember allerdings gingen gleich vier Anschläge auf das ELF-Konto. Gleichzeitig verließ die Organisation ihr vertrautes Territorium und schlug an der Ostküste zu. Auf Long Island im Bundesstaat New York wurden in Neubaugebieten zunächst Scheiben eingeschlagen und Baufahrzeuge beschädigt. Dann folgten mehrere Brände, die Attacken wurden als Angriffe auf die "zukünftigen Höhlen einer reichen Elite" gerechtfertigt. Die ELF versteht sich ihrerseits als "brennender Zorn dieses sterbenden Planeten". Während ein "Krieg der Gier" die Erde verwüste und jeden Tag zahlreiche Spezies aussterben, will die ELF den Kollaps der Industrie herbeiführen. Als ihre größte Stärke bezeichnet sie selbst die Fahigkeit, dann zuzuschlagen, wenn man es am wenigsten erwartet. (APA/red)