Ankara - Ein türkisches Berufungsgericht hat die Haftstrafen gegen mehrere Kurdenführer aufgehoben. Die 45-monatige Gefängnisstrafe gegen den Führer der größten Kurdenpartei HADEP, Murat Bozlak, falle unter das im Dezember vom Parlament verabschiedete Amnestiegesetz, entschieden die Richter am Mittwoch laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolou Ajansi. Auch der frühere HADEP-Vorsitzende Ahmet Turan Demir und 16 weitere zu je drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte Parteimitlieder sollen freikommen. Die HADEP-Politiker waren im vergangenen Jahr wegen "Unterstützung der kurdischen Rebellion" verurteilt worden. Sie hatten Hungerstreiks und Demonstrationen zur Unterstützung des Führers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, organisiert. Bozlak und Demir hatten ihre Haftstrafen noch nicht angetreten. Die türkischen Behörden werfen HADEP vor, sie werde von der PKK kontrolliert. Die Partei, die sich für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts einsetzt, wies die Vorwürfe stets zurück. Durch das Amnestiegesetz waren die Haftstrafen der türkischen Gefängnisinsassen um zehn Jahre vermindert worden. Dadurch kamen mehr als die Hälfte der Häftlinge frei. Öcalan war vor zwei Jahren zum Tode verurteilt worden. Die türkische Regierung setzte seine Hinrichtung mit Rücksicht auf ihre Europa-Ambitionen aus. Acht Polizisten vor Gericht Im Südosten der Türkei müssen sich acht Polizisten wegen Folter und Vergewaltigung vor Gericht verantworten. Wie die Zeitung "Radikal" am Mittwoch berichtete, sollen die Beamten aus Diyarbakir 1997 eine Frau nach ihrer Festnahme unter anderem mit Elektroschocks gefoltert und Zigaretten auf ihrer Haut ausgedrückt haben. Die Frau war wegen Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gefasst und von den Beamten in Diyarbakir verhört worden. Im Falle eines Schuldspruchs droht den Polizisten eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren. Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück. (APA/AFP)