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Vor einem Monat war die Welt für den Medienunternehmer Silvio Berlusconi noch in Ordnung. Sein Rechtsbündnis lag allen Umfragen zufolge bis zu 15 Prozent vor der regierenden Mitte-links-Koalition. Die strahlende Miene Berlusconis verfinstert sich aber zusehends. Francesco Rutelli, sein mediengewandter Kontrahent, holt beständig auf, jetzt soll der Rückstand gar nur mehr zwei Prozent betragen - und noch immer weiß niemand, wann denn das neue Parlament eigentlich gewählt wird. Nur eines steht fest, die Wahl muss zwischen dem 15. April und dem 15. Juni abgehalten werden. Berlusconis Casa delle libertá, das Haus der Freiheit, wie er sein Bündnis aus Forza Italia, Alleanza Nazionale und Lega Nord seit neuestem nennt, steht schon seit längerem bereit für die Wahl, die Kandidatenlisten waren fixiert, die Ministerliste ebenso. Doch jetzt präsentierte Rutelli einen Vorschlag, der das Rechtsbündnis wieder in die Krise stürzen könnte: Die Parlamentswahlen sollen mit den - eigentlich für Herbst geplanten - Gemeinde- und Provinzwahlen zusammengelegt werden, ein einziger "election day" erspare den Italienern 700 Milliarden Lire (361,5 Millionen EURO), die man doch den armen BSE-gestraften Rinderzüchtern zukommen lassen müsse, so Rutelli populistisch. Und schon präsentierte die Linke ihre Kandidaten für die Bürgermeisterposten in den großen Städten. Berlusconi kalt erwischt Berlusconi wurde kalt erwischt. Ein "election day" schaffe nur Konfusion, die Bürger würden überfordert, wenn sie gleich drei Stimmzettel in die Hand bekommen würden. Hintergrund der Aufregung dürfte aber wohl die Tatsache sein, dass das mühsam zwischen seinen Partnern ausgehandelte Mandatsabkommen wieder ins Wanken geraten könnte. Viele der in unsicheren Wahlkreisen ins Rennen gehenden Rechts-Kandidaten hatten bereits öffentlich angekündigt, im Falle einer Niederlage bei der Parlamentswahl für einen der nicht minder lukrativen Bürgermeisterposten einer Großstadt "zur Verfügung zu stehen". Ein Kalkül, das bei einer Zusammenlegung der Wahlen nicht mehr aufgehen kann. Der Wahltermin bleibt vorerst der einzige Streitpunkt im Wahlkampf, inhaltliche Unterschiede sind kaum auszumachen. Beide Lager versprechen Steuersenkungen, eine Föderalisierung des Landes, mehr Sicherheit für die Bürger. Rutellis Wahlstratege Stanley Greenberg, der schon Bill Clinton oder Tony Blair erfolgreich an die Macht gebracht hat, greift geschickt alle Themen auf, die auch Berlusconi anspricht. Wenn dieser sich als "Arbeiter-Premier" vorstellt, besucht Rutelli umgehend die FIAT-Montagehallen, wenn Berlusconi "sichere Städte" verspricht, präsentiert sich Rutelli als "Garant der Sicherheit". Zu einer politischen Affäre haben sich die Tätlichkeiten zwischen Frauenministerin Katia Bellillo und der Duce-Enkelin Alessandra Mussolini in einer RAI-1-Show über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ausgewachsen. Alessandra Mussolini, Parlamentarierin der rechten Nationalallianz, provozierte die Frauenministerin. "Kommunistin, Kommunistin" schrie sie immer wieder. Die aufgebrachte Bellillo replizierte daraufhin: "Du heißt Mussolini, du hast kein Recht, überhaupt zu reden." Plötzlich schleuderte die Ministerin ein Mikrofon gegen Mussolini, die ihrerseits versuchte, die Ministerin mit einem Fußtritt zu treffen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 2. 2001)