Jerusalem - Israel hat am Freitag wenige Tage vor der Ministerpräsidentenwahl den Zugang zu palästinensischen Ortschaften im Westjordanland weiter eingeschränkt. Alle Orte mit Ausnahme von Jericho und Kalkilja würden von Sicherheitskräften eingekreist, teilte die israelische Armee mit. Ihr Vorgehen begründete die Armee mit der zunehmend angespannten Sicherheitslage. Die Armee hatte bereits zuvor wegen des seit Ende September anhaltenden Palästinenser- Aufstandes gegen die israelische Besatzung Städte und Dörfer im Westjordanland abgeriegelt. Bei den Unruhen waren bisher mindestens 380 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Palästinenser. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak teilte mit, Barak habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alle zum Schutz der Israelis in den Palästinensergebieten notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehörten auch Reisebeschränkungen für Straßen im Westjordanland und im Gaza-Streifen, hieß es weiter. "Wir werden die Wahl boykottieren, obwohl wir wissen, dass Sharon gewinnen wird" Unterdessen kündigten arabische Abgeordnete im israelischen Parlament einen Wahlboykott zahlreicher arabischer Israelis bei der Ministerpräsidentwahl am Dienstag an. Damit dürften sich die ohnehin geringen Chancen Baraks auf eine Wiederwahl weiter verringern, denn bei seiner Wahl 1999 hatten 95 Prozent der arabisch-israelischen Wähler für den Sozialdemokraten Barak gestimmt. Israelis arabischer Abstammung stellen 12,3 Prozent der Wählerschaft im Land. Barak liegt Umfragen zufolge rund 20 Prozentpunkte hinter seinem konservativen Herausforderer Ariel Sharon von der nationalreligiösen Likud-Partei. "Wir werden die Wahl boykottieren, obwohl wir wissen, dass Sharon gewinnen wird", sagte der arabische Abgeordnete Ahmed Tibi. Dies sei ein stummer, aber deutlicher Protest gegen die Regierung Barak. Barak sei allein verantwortlich für Sharons Comeback, sagte Tibi. Er habe keinen Frieden mit den Palästinensern geschlossen, sondern die Armee zum Schießen angewiesen. Im Oktober hatte die israelische Polizei bei Demonstrationen 13 arabische Israelis erschossen. Viele arabische Israelis hatten ihre Sympathie mit dem Palästinenser-Aufstand bekundet. Die Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern ruhen auf Initiative Baraks seit Sonntag. (APA/Reuters)