Bogota - je nach Angaben zwischen 12.000 und 25.000 Menschen haben am Sonntag in der Stadt San Pablo im Norden Kolumbiens gegen die Absicht der Regierung protestiert, eine zweite entmilitarisierte Zone für eine Guerillaorganisation zu schaffen. Die Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat eine solche Zone als Gegenleistung für die Aufnahme von Friedensgesprächen verlangt. Im Süden Kolumbiens gibt es bereits seit zwei Jahren ein Rebellengebiet für die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), aus dem sich die Regierungstruppen zurückgezogen haben. Repräsentanten der Regierung führen seit einigen Monaten Gespräche mit Vertretern der ELN und Bewohnern des Gebiets, um die Formalitäten für das Rebellengebiet auszuhandeln. Einwohner beklagten sich jedoch über ein mangelndes Mitspracherecht. Der Regierungsunterhändler Camilo Gomez sagte am Sonntag, bevor eine Vereinbarung mit der ELN geschlossen werde, müssten eine ganze Reihe von Bürgermeistern des betreffenden Gebiets zustimmen. Er kündigte für die nächsten Tage weitere Gespräche mit Vertretern der Bewohner an. Der entmilitarisierte Status der Zone soll auf neun Monate befristet werden. Überwacht werden soll das Gebiet von einer Polizeitruppe. Außerdem soll eine 150 Mann starke internationale Beobachtergruppe mögliche Übergriffe der Guerilleros gegen die Bevölkerung verhindern. Die ELN hat erklärt, sie werde die Rechte der Bewohner in der 4.760 Quadratkilometer umfassenden Zone respektieren und auch keine Kämpfer dort ausbilden oder Propaganda betreiben. Die Bewohner befürchten Übergriffe der Rebellen, wie sie auch in der Zone für die FARC im Süden vorgekommen sein sollen. Die Regierung machte keine Angaben darüber, wie viele Menschen in der geplanten neuen Zone leben. Nach einer Volkszählung aus dem Jahr 1993 lebten dort damals 35.000 Menschen. Präsident Andres Pastrana bereitete sich unterdessen auf eine Unterredung mit dem FARC-Führer Manuel Marulanda vor. Zur Vorbereitung des am Donnerstag geplanten Treffens besuchte er am Wochenende das Rebellengebiet im Süden. Pastrana hat den Friedensprozess mit der Guerillabewegung FARC vor zwei Jahren aufgenommen. Damals kam er den Guerilleros mit dem Abzug der Streitkräfte aus dem Rebellengebiet im Süden entgegen. Dieser entmilitarisierte Status hätte am Mittwoch vergangener Woche ablaufen sollen. Pastrana verlängerte die Regelung zunächst bis Sonntag und jetzt noch einmal um weitere vier Tage, um das geplante Treffen mit Marulanda zu ermöglichen. (APA/AP)