Frankfurt/Main - Trotz der trüben Stimmung an den Märkten ist die Börsen-Aktie glänzend gestartet: Am ersten Handelstag schloss das Papier am Montag in Frankfurt am Main mit 374,00 Euro um 11,6 Prozent über dem Ausgabepreis von 335 Euro (653,25 Mark/4.595,96 S). Der erste Kurs war mit 362 Euro festgestellt worden. Der DAX verlor 0,15 Prozent oder 10,13 Punkte, der Nemax50 0,14 Prozent oder 3,60 Punkte. Die mit fast einer Milliarde Euro aus dem Emissionserlös prall gefüllte Kasse will die Börse nach Angaben ihres Vorstandschefs Werner Seifert für den Ausbau bestehender Geschäftsfelder, Zukäufe und wechselseitige Beteiligungen verwenden. Seifert kündigte die Internationalisierung des Neuen Marktes und die Erschließung eines europäischen Kassamarktes an. Dabei nannte er die finanzielle Verflechtung mit anderen Handelsplätzen als eine Möglichkeit. Zugleich betonte Seifert, er habe weiter Interesse an konstruktiven Gesprächen mit der London Stock Exchange. Bei dem Börsengang werden einschließlich Mehrzuteilungsoption rund 3,2 Millionen Anteilsscheine ausgegeben. Das Papier war 23-fach überzeichnet. Private und institutionelle Investoren orderten nach Angaben der Deutschen Börse 72,5 Millionen Aktien. Die größte Nachfrage kam von institutionellen Investoren. Rund sechs Prozent der Order entfielen auf private Investoren. Dennoch gehen 20 Prozent der Papiere an Privatanleger. Die neuen Aktionäre halten künftig 27 Prozent an dem Unternehmen, das bisher ausschließlich in Händen von Banken, Regionalbörsen und Maklern war. Gute Zukunftsaussichten Mit einer Marktkapitalisierung am ersten Handelstag von rund 3,7 Milliarden Euro wäre die Deutsche Börse ein Kandidat für den M-DAX. Den Angaben zufolge ist der frühest mögliche Termin für eine Aufnahme in den M-DAX der Juni. Nach Einschätzung von Experten hat die Börse mit ihrem erfolgreichen Gang auf das Parkett ihre Position im scharfen Wettbewerb der Handelsplätze verbessert. Der Börsenexperte Wolfgang Gerke von der Universität Nürnberg/Erlangen sagte, der Kurssprung zeige, dass die institutionellen Investoren der Deutschen Börse gute Zukunftsaussichten einräumten. London Stock Exchange noch nicht vom Tisch Für vorstellbar hält Gerke finanzielle Verflechtungen mit kleineren Handelsplätzen, zum Beispiel Madrid und Mailand. Aber auch das Thema London Stock Exchange scheine noch nicht vom Tisch zu sein. Der Ökonom hielt auch nach der gescheiterten Fusion eine Verflechtung mit der LSE für wahrscheinlicher als mit Euronext, zu der sich die Handelsplätze in Amsterdam, Brüssel und Paris zusammengeschlossen hatten. Die Gefahr einer feindlichen Übernahme der Deutschen Börse bezeichnete Gerke als gering. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hielt neue Fusionsgespräche mit der LSE derzeit allerdings für undenkbar. Es werde vorläufig bei der Zersplitterung der europäischen Kapitalmärkte bleiben, sagte er dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Zugleich betonte Breuer, das Institut wolle als Großaktionär vorerst an seiner Beteiligung an der Deutschen Börse festhalten. Die Frage einer Trennung stelle sich erst 2002. Dann wollte Breuer einen Teilverkauf im Wege einer Zweitplatzierung nicht ausschließen. (APA/AP)