Wien - 2.876 unfreiwillig kinderlose Paare wurden behandelt, ein Teil kann sich schon über Nachwuchs freuen: Seit 1. 1. 2000 gibt es in Österreich die so genannte Fonds-Lösung rund um die In-vitro-Fertilisation (IVF). Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt ein öffentlicher Fonds 70 Prozent der Kosten für bis zu vier IVF-Versuche. "Alle Beteiligten sind eigentlich zufrieden", fasste am Wochenende der Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Wilfried Feichtinger die Resultate des ersten Jahres zusammen. Der Hintergrund Am Freitag hatten Fachleute vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen, des Sozialministeriums, Vertreter des Fonds, des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Vertreter der IVF-Institute bei einer Sitzung sozusagen die "Jahresabrechnung" präsentiert. Feichtinger, ehemals einer der beiden "medizinischen Väter" des ersten österreichischen "Retortenbabys": "Insgesamt sind 2.876 Paare behandelt worden. Es wurden 3.896 IVF-Zyklen durchgeführt." Voraussetzung für die Bezahlung von IVF-Versuchen sind das Vorliegen von Unfruchtbarkeit bei einer Frau im Alter von weniger als 40 Jahren bzw. bei Mann im Alter von weniger als 50 Jahren. Die Gründe dafür sind in aller Regel eine Blockade der Eileiter oder eine schlechte Sperma-Qualität bzw. eine zu geringe Zahl an Samenzellen. Mehrheitlich "Männersache" Ein interessantes Detail aus dem Fonds-Daten laut Feichtinger: "Nur zu 31 Prozent wurden die IVF-Zyklen wegen Infertilität der Frau durchgeführt. Zu 69 Prozent lag eine 'männliche Indikation' vor." Am häufigsten unterzogen sich Paare in der Altersgruppe von 31 bis 35 Jahren der Behandlung in den 25 IVF-Zentren in öffentlichen Spitälern oder privaten Instituten. Feichtinger, der an seinem Institut in Wien vergangenes Jahr mit mehr als 500 durchgeführten IVF-Behandlungen die größte Zahl aufwies: "Zwischen den einzelnen Einrichtungen schwanken die 'Baby-take-home'-Raten sehr stark. Die Erfolge liegen je nach Einrichtung zwischen zwölf und 47 Prozent." Zwölf Prozent sind die Mindestanforderung laut der Fonds-Vereinbarung. Einen IVF-Versuch haben schon 52 Prozent der 2.876 behandelten Paare absolviert, zwei Versuche 34 Prozent, drei Versuche zwölf Prozent und vier Versuche ein Prozent. Was es nicht gibt: Die genaue Zahl der nach solchen Therapien geborenen Kinder. Der Wiener Gynäkologe und Geburtshelfer: "Das ist sehr schwierig festzustellen, weil man ja jedem einzelnen Paar 'nachlaufen' müsste." Die Kosten Laut der Honorarvereinbarung werden für einen IVF-Versuch in einer privaten Institution 19.500 Schilling bezahlt. Eine IVF samt Injektion des Spermiums in die Eizelle wegen männlicher Infertilität (ICSI) wird mit 23.000 Schilling abgegolten. Abteilungen in öffentlichen Krankenhäusern erhalten jeweils um 500 Schilling weniger. Der Selbstbehalt für eine normale IVF beträgt rund 6.500 Schilling, für eine ICSI-Behandlung 7.600 Schilling. Hinzu kommen noch die Kosten für die verwendeten Arzneimittel, bei denen ebenfalls ein Patienten-Selbstbehalt von 30 Prozent besteht. Verbesserungen rund die IVF mit Beteiligung der öffentlichen Hand könnten laut Feichtinger allerdings noch in Details vorgenommen werden: "Im Fortpflanzungsmedizin-Gesetz sollte die bisher festgelegte höchste Aufbewahrungsdauer für Embryonen von einem Jahr verlängert werden." Bei weitem nicht alle Paare kommen binnen eines Jahres auf die vier Versuche. Und schließlich muss bereits in den nächsten Tagen ein neuer Honorarvertrag ausgehandelt werden. Der alte gilt nämlich nur bis 31. März. (APA)