Jerusalem - Zwei Tage vor der Direktwahl des israelischen Ministerpräsidenten haben zwei wichtige religiöse Parteien am Sonntag zur Wahl des rechtsgerichteten Likud-Chefs Ariel Sharon aufgerufen. Sowohl der geistliche Führer der orientalischen Shas-Partei und ehemalige sephardische Großrabbiner Ovadia Yosef, als auch die Führer des Vereinigten Thora-Judentums, einer Partei der aus Europa stammenden Ultra-Orthodoxen, sprachen sich für ihn aus. Gläubige Juden sollten den Kandidaten wählen, dessen Partei "den jüdischen Werten am nächsten steht", erklärte die Führung des Vereinigten Thora-Judentums. Sie kündigte zugleich an, dass sie nach der allgemein erwarteten Wahl Sharons eine Koalition mit dessen Likud-Block eingehen will. Keine Zugeständnisse Sharon versicherte daraufhin, er habe den Ultra-Orthodoxen keine Zugeständnisse für eine Regierungsbeteiligung in Aussicht gestellt. Die Shas-Partei, die sowohl unter dem gegenwärtigen Premier Ehud Barak von der Arbeiterpartei als auch unter dessen Likud-Vorgänger Benjamin Netanyahu die Rolle des Züngleins an der Waage gespielt hat, stellte bisher die drittstärkste Parlamentsfraktion hinter der Arbeiterpartei und dem Likud. Laut einem Rundfunkbericht sicherte sich Sharon die Unterstützung der Ultra-Orthodoxen durch ein Versprechen. Demnach sagte er ihnen zu, die Entscheidung über ein Ende der Befreiung der Talmud-Schüler vom Militärdienst um mindestens acht Monate hinauszuzögern. Sharon dementierte den Radiobericht. (APA/dpa)