Eine Krise? Wo bitte? Ganz sicher nicht bei CNN, gibt sich Eason Jordan überzeugt. "CNN ist bei bester Gesundheit, finanziell, journalistisch und operationell", versichert der oberste Nachrichtenchef der CNN-News-Gruppe im Gespräch mit dem STANDARD in London, das neben dem Hauptsitz in Atlanta, USA, und Hongkong derzeit zu einer weiteren regionalen Produktionsstätte ausgebaut wird. Ganz im Gegenteil, setzt Jordan nach: "Wir haben eine strahlende Zukunft vor uns." Die erst vor wenigen Tagen angekündigte Entlassung von 400 Mitarbeitern sei zwar schmerzhaft, das Gesamtbild trübe sie jedoch keineswegs, sagen Jordan und Chris Cramer, Präsident von CNN International (CNNI). Vor allem zwei Bereiche waren von den Kürzungen betroffen: die Programmschiene für CNN USA, die infolge der enorm gewachsenen Konkurrenz umgebaut werden müsse; und die Onlinedienste, "wo wir zu viel investiert hatten. Aber da befinden wir uns ja in guter Gesellschaft, viele Unternehmen haben zu viel ins Internet investiert." Insgesamt aber wollen Jordan und Cramer nur eine einzige Interpretation zulassen für die Streichungen sowie für alle geplanten Strukturmaßnahmen: "In 20 Jahren ist CNN von einem Sender, der nicht einmal zwei Millionen Haushalte in den USA erreichte, zu einem Unternehmen mit insgesamt 34 verschiedenen TV-, Radio- und Internetkanälen in zwölf verschiedenen Sprachen weltweit herangewachsen und erreicht heute mehr als eine Milliarde Menschen." Angesichts eines derartigen Erfolgs sei es nötig gewesen, "sich einmal zurückzulehnen, kritisch zu analysieren und jene Änderungen vorzunehmen", die garantieren sollen, dass CNN weiterhin unbestrittener Marktführer bleibe. In der jüngsten Fusion des weltgrößten Medienunternehmens Time Warner, dem auch CNN angehört, mit dem weltgrößten Internetanbieter America Online (AOL) wollen Jordan und Cramer nur Chancen für beide Seiten sehen: "AOL ist am stärksten in den USA und kann uns viel bieten für interaktive Plattformen. Umgekehrt sind wir international eine Macht, AOL kann bei seinen weltweiten Expansionsplänen daher von uns profitieren." Im Zuge des Reformprozesses hat CNN nun sein Budget für die "breaking news" verdoppelt, auch in Hintergrundberichte und Analysen soll noch mehr investiert werden. Investitionen in kompakte Hightech-Ausrüstung für die Nachrichtenteams einschließlich hochwertiger DV-Kameras und spezieller Laptop-Ausrüstung sollen mehr Tempo und Effizienz garantieren. Ein "super desk" wird zudem eingerichtet, eine 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche besetzte Nachrichtenredaktion für alle Büros. All dies immer unter dem Aspekt, dass man der Beste "bleiben" will. Denn an der Tatsache, dass man global der Beste ist, gibt es für Jordan und Cramer nichts zu rütteln. Jede kritische (Nach-)Frage, jeder Einwand, jedes Wenn und Aber prallen an dieser Überzeugung ab. Vor Jahren einmal mag ein Körnchen Wahrheit in der Kritik gewesen sein, dass die Berichterstattung von CNN so seicht sei wie breit gestreut, räumen die beiden von sich aus ein. Doch heute, betont Cramer, der jahrelang für die BBC arbeitete, könne CNN "absolut nichts" vom britischen Sender lernen. Schon mit dem Tempo könne die BBC nicht mithalten. Schnelligkeit - in der Berichterstattung wie im konzeptionellen Denken - aber sei das Geheimnis, das CNN zu dem mache, was es ist. Sagen seine Manager. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2001)