Im Bestreben um die Ausdehnung der Kontrolle über die Medien hat die russische Staatsmacht den Ersten Russischen Fernsehkanal ORT unter ihren alleinigen Einfluss gebracht. Der in Opposition zum Kreml stehende Geschäftsmann Boris Beresowski habe seinen Anteil von 49 Prozent bereits vor einem Monat verkauft, teilte ORT-Vorstandsmitglied Igor Schabdurassulow am Montag in Moskau mit. Als Mittelsmann des Kremls habe der Oligarch Roman Abramowitsch die Anteile Beresowskis erworben, berichtete die von Beresowski kontrollierte Zeitung "Kommersant". Mit dem Kauf der ORT-Anteile des landesweit ausstrahlenden Fernsehsenders für schätzungsweise 80 Millionen Dollar (85,0 Mill. Euro/1,170 Mrd. S) habe "der Staat praktisch die Macht über ORT übernommen", sagte Schabdurassulow der Nachrichtenagentur Interfax. Regierung und Präsidialamt lehnten eine offizielle Stellungnahme ab. Der im Ausland lebende Beresowski hatte ein entsprechendes Geschäft schon vor einem Monat angekündigt. Der im Vorjahr gewählte russische Präsident Wladimir Putin treibt Justiz und Finanz zu einem harten Vorgehen gegen die unter seinem Vorgänger Boris Jelzin bei umstrittenen Privatisierungen zu Reichtum gekommenen Oligarchen. Im Fadenkreuz der Ermittler steht neben Beresowski auch der wegen schweren Betrugs verfolgte Medienmagnat Wladimir Gussinski. Regierungskritiker werfen der Staatsmacht vor, mit Hilfe der Justiz ebenfalls den zum Gussinski-Imperium gehörenden größten privaten Fernsehsender NTW kontrollieren zu wollen und damit den letzten kritischen Fernsehsender von Bedeutung ausschalten zu wollen. (APA)