Abbassiye/Beirut - Vertreter der Vereinten Nationen setzen ihre Bemühungen fort, Israel zur Respektierung der im vergangenen Mai von der UNO festgelegten "blauen Linie" zu bewegen, die als vorläufige internationale Grenze zwischen den beiden Staaten gelten soll. Israelisches Militär hatte Ende Jänner Gebiete bei der Ortschaft Ghajar im zentralen Grenzabschnitt, unweit eines Postens der UNO-Interimstruppen (UNIFIL), besetzt und mit Stacheldraht eingezäunt. Der UNO-Sonderbeauftragte für den Südlibanon, Staffan de Mistura, erklärte am Montag, er bemühe sich, die ursprünglichen Verhältnisse wieder herzustellen. De Mistura hatte am Wochenende UNO-Generalsekretär Kofi Annan einen dringlichen Bericht übermittelt und von "einem Element" gesprochen, "das für die Vereinten Nationen nicht akzeptabel ist". Die libanesische Regierung, die unter dem Vorsitz von Staatspräsident Emile Lahoud zu einer Sondersitzung zusammengetreten war, kritisierte die "neue Aggression" und forderte die UNO zum Einschreiten auf. Shebaa-Ländereien weiter besetzt Israel hatte sich Ende Mai nach 22-jähriger Okkupation aus der so genannten "Sicherheitszone" im Südlibanon zurückgezogen. Der Libanon beansprucht auch das Gebiet der so genannten Shebaa-Ländereien im Dreiländereck, das weiter von Israel besetzt wird, weil es nach israelischer Auffassung ursprünglich zu Syrien gehörte und deshalb erst im Rahmen eines Friedensvertrages mit Damaskus geräumt werden soll. Das israelische Militär erwartet eine gefährliche Zunahme der Spannungen an der Grenze zum Libanon. Nach Informationen der Tageszeitung "Haaretz", die sich auf hohe Armeekreise berief, hat die pro-iranische Schiiten-Miliz Hisbollah im Grenzgebiet neue Katjuscha-Raketen positioniert. Die Miliz habe Angriffspläne ausgearbeitet, die es ihr erlaubten, "innerhalb von wenigen Minuten" eine Offensive zu starten, hieß es. (APA)