Heute ist alles so kompliziert, aber nichts ist so kompliziert wie die Welt der elektronischen Medien. Ein Patriot, der sich vor einem ausschließlich mit ORF 1 und ORF 2 geladenen Fernsehgerät den Wonnen der Reizüberflutung lieber nicht hingibt, ist daher dankbar für Maier. Nicht Hermann, den Herminator der schrägen Pisten, sondern Wolfgang, den Terminator schräger ORF-Panegyrik zur höheren Ehre der Gebrüder Fellner. Er ist Herausgeber von "tv-media" und "e-media" und ordnet allwöchentlich in erstgenanntem Magazin das vom ORF erzeugte Chaos an Neuigkeiten zu einem Kosmos von Meinung. Wer weiß, vielleicht ist es sogar immer seine eigene.

Das geht zum Beispiel so: Oberhauser. Damit der Leser gleich weiß: Wo dieser Ein-Wort-Satz hinfällt, da wächst kein Gras mehr. Keiner im ganzen ORF polarisiert so stark wie der Sportchef. Er führe seine Redaktion wie Ludwig XIV.: "Der Sport bin ich." Selbst wer bis vorige Woche nicht wusste, dass Ludwig XIV. eine Redaktion führte, war doch überrascht, von diesem Oberhauser auf dem französischen Thron zu erfahren, er habe gar nicht gesagt "Die Redaktion bin ich", sondern "Le sport, c'est moi". Das wird den drei Musketieren mächtig imponiert haben.

Maier konnte das auch begründen. Er kultiviere einen Verhandlungsstil, der da laute: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich." Mit der Entdeckung, dass ein Stil auch lauten kann, hat sich Maier einen Ehrenplatz nicht nur "tv-media", sondern auch im Tempel der Stilkunde gesichert, von dem aus sich trefflich weiter schwadronieren lässt. Er pflege zu gute Kontakte zu schwarz-blauen Granden - im politfixierten ORF der sicherste "Beweis" für die Ambition, Weis als Senderchef zu beerben.

Da hätte Ludwig XIV. einen anderen Stil verlauten lassen, denn die zu guten Kontakte zu schwarz-blauen Granden sind vielleicht ein Beweis unter Anführungszeichen für die Ambition, Weis als Senderchef zu beerben, aber der sicherste Beweis für deren mäßige Chance auf Erfüllung, lebt der zu beerbende Senderchef im politfixierten ORF doch vor: Le contact, c'est moi.

Zeichnen seine Feinde das Zerrbild vom einzelgängerischen Egomanen, sind die Liebeserklärungen mancher Freunde nicht minder blümerant. Hinterfragen wir nicht, was am Zerrbild vom einzelgängerischen Egomanen blümerant sein soll, denn schon geht es weiter: Im ORF der Angepassten sei Oberhauser eine Thomas Bernhard'sche Figur: lautstark polternd, aber dünnhäutig wie Reispapier. Sollte gemeint sein, ein Typ wie Thomas Bernhard, ist noch immer die Frage, ob der Poet eine Haut, dünn wie Reispapier, hatte. Aber wo der Stil lautet, ist auch das Reispapier dünnhäutig.

Schließlich ist Ludwig XIV. Oberhauser einer, der nicht nur nach unten trete, sondern auch noch oben - wofür er auf dem Kopf gehen müsste, was bei einem einzelgängerischen Egomanen nicht überraschte - und unter vielen Aufgerichteten erstaunlich aufrecht. Sollte wohl heißen: unter vielen Hingerichteten, denn unter Aufgerichteten wär 's ja nicht erstaunlich. Aber Elmar Oberhauser ist noch mehr: Er hat Erfolg. Viel Erfolg. Sogar mehr als der liebe Louis, denn: Er hat extrem zufriedene Kunden. 81 % der Österreicher, so eine Studie, sind mit dem Sportangebot des ORF zufrieden. Nur zarte 17 % der Österreicher, die über Kabel oder Satellit verfügen, finden das Sportangebot anderer Sender besser. Wichtig ist, was hinten rauskommt.

Und für das, was bei Oberhauser hinten rauskommt, zahlen wir Gebühren. Maier hat Recht: Als Sportchef ist Elmar Oberhauser eine Klasse für sich. Aber der von Erbschleichern umgebene Ludwig XIII. ist auch nicht zu unterschätzen, erfahren wir doch im neuen "tv-media" von Maier Rührendes über das glückliche Händchen von ORF-Chef Gerhard Weis. Leider benutzt er dasselbe nicht dazu, es seiner hirnenden Unterhaltungschefin aufzulegen, im Gegenteil: Wieder macht Gerhard Weis alles richtig mit Taxi Orange. Es war mutig, im Herbst 2000 als erster öffentlich-rechtlicher Sender Europas eine Reality-Show zu starten - als Antwort auf Big Brother und gegen eine halbstarke Phalanx aus Heuchlern und Politikern.

Als Lohn für diesen Mut vor einer halbstarken Phalanx durfte Gerhard Weis bei Wolfgang Maier innerhalb einer Woche vom Senderchef zur Inkarnation des ersten öffentlich-rechtlichen Senders Europas avancieren, und das ist schon etwas mehr als dieser Ludwig XIV.
Günter Traxler