Bis Mitte des vergangenen Jahres waren IPOs (Initial Public Offerings), wie die Börsengänge in den USA heißen, das Gesprächsthema in Silicon Valley. Mittels der überhitzten Internetbörse wurden täglich Dutzende von Millionären geboren.Hinausgeegelt In einer dramatischen Kehrtwende müssen nun einstige Wall-Street-Lieblinge fürchten, vom Börsenplatz Nasdaq hinausgekegelt zu werden. Die Performance von rund 20 Unternehmen in Silicon Valley ist zur Zeit so schlecht, dass Nasdaq, der Börsenplatz, an dem die meisten Hightech-Firmen der Region gehandelt werden, diesen schon die rote Karte zeigte. Fünf wurden bereits im vergangenen Jahr suspendiert, und ein sechstes Unternehmen, PlanetRx.com in San Francisco, wurde gerade eben gestrichen. Die Abstrafung ist nicht auf Silicon Valley begrenzt. Landesweit hat Nasdaq mindestens 200 Firmen vorgewarnt. Die Messlatte ist simpel: Fällt der Kurs über 30 Tage lang unter die ein Dollar-Marge, dann sind die Tage der Mitgliedschaft im elitären Nasdaq-Club gezählt. Die betroffene Firma hat dann 90 Tage Zeit, den Kurs nach oben zu korrigieren. Scheitert das, verschwindet der Kurs der Firma im "Börsen-Niemandsland", dem OTCBB (Over The Counter Bulletin Board), wohin sich wenige Investoren wagen. Das ist nicht nur schlecht für die zukünftigen Aussichten der Firma. Auch die Moral der Mitarbeiter bekommt einen Knacks. Erst recht, wenn deren Gehalt zu Teilen auf Aktienoptionen basiert. Fast wie ein Todesstoß "Wenn eine Firma die Nasdaq-Platzierung verliert, ist das fast wie ein Todesstoß", dramatisiert ein Analyst von Moors & Cabot in San Francisco die Lage. Um ein solches Schicksal zu vermeiden, greifen die Unternehmen zu drastischen Sparmaßnahmen und entlassen Mitarbeiter. Oder sie greifen zu einem Trick wie PlanetRx, das ein umgekehrtes Stocksplitting versuchte. Acht Aktien sollten in eine einzige verwandelt werden. Die Investoren zogen nicht mit, und plötzlich war die Aktie nur noch die Hälfte wert. Zu einem ganz anderen Rezept greifen inzwischen mehrere in Ungnade gefallene Firmen. Sie warten nicht auf den "Todesstoß", sondern verwandeln sich in eine Privatfirma zurück. Doch diese Revision ist nicht einfach. Es braucht Cash und Inventar oder zumindest ein großes Wachstumspotenzial, denn es müssen Investoren gefunden werden, die die Aktien zurückkaufen. Und das geschieht nur, wenn diese einen Profit erwarten, sobald sie die Firma wieder verkaufen oder erneut an die Börse bringen. Das limitiert entscheidend die Zahl der Hightech-Firmen. Wer also schon von Nasdaq hinausgekickt wurde, kann diese Idee gleich in den Wind schreiben. (STANDARD-Korrespondentin Rita Neubauer aus Palo Alto)