Bhuj - In der Küche ihres eingestürzten Hauses haben zwei Menschen zehn Tage nach dem Erdbeben in der indischen Stadt Bhuj überlebt, bis sie am Montag gerettet wurden. Sie seien schwach aber unverletzt, teilten die Behörden mit. Dank der Lebensmittel- und Wasservorräte in der Küche hätten sie überlebt. Die Regierung des indischen Bundesstaates Gujarat kündigte unterdessen den Aufbau von Zeltstädten für die Überlebenden des Bebens an. Innenminister Haren Pandya sagte am Montag der Nachrichtenagentur Reuters, es würden bereits für Hunderttausende Zeltstädte errichtet. Seuchen sind nach Angaben von Medizinern bislang nicht ausgebrochen. Die beiden Geretteten sind den Angaben zufolge Geschwister. Sie seien von Polizisten aus dem Erdgeschoss des Hauses befreit worden und in ein Behelfskrankenhaus eingeliefert worden. Die Polizisten hatten sie mit Händen und Schaufeln ausgegraben. "Wenn wir Planierraupen benutzt hätten, wären sie tot gewesen", sagte einer der Polizisten. Die Helfer im Bebengebiet setzten unterdessen ihre Arbeit zur Versorgung der Überlebenden fort. Das Augenmerk liegt auf der Errichtung von Unterkünften. Die Leute "werden medizinische Einrichtungen, Schulen, Läden und Märkte haben", sagte Minister Pandya. Bislang seien 70.000 Zelte ausgeteilt worden, insgesamt würden mindestens 150.000 benötigt. "Wir hätten gerne die Hilfe der ganzen Welt", sagte Pandya. "Ich glaube nicht, dass wir jemals die ganze Zahl (der Opfer) kennen werden", sagte Indiens Verteidigungsminister George Fernandes in der schwer getroffenen Stadt Bhuj. Es würden immer mehr Leichen unter den Trümmern gefunden. Pandya sagte, bislang seien 16.435 Leichen geborgen worden. Der Ministerpräsident von Gujarat, Keshubhai Patel, sagte, rund 230.000 Häuser seien eingestürzt und fast 400.000 beschädigt worden. Ein Sprecher der Regierung von Gujarat sagte, in etwa 169 Dörfern in der Region seien die zerstörten Gebäude bereits abgetragen worden. Helfer bemängelten jedoch, dass zum Teil einsturzgefährdete Gebäude weiter bewohnt seien. "Die Leute wohnen noch in Orten, in die ich wegen der Gefahr nicht einmal meine Mannschaften schicken würde", sagte der Leiter einer südafrikanischen Rettungsmannschaft. Die Helfer wiesen darauf hin, dass die stark beschädigten Gebäude durch ein Nachbeben einstürzen könnten. Die Regierung teilte mit, mehr als 80 Prozent der 925 betroffenen Dörfer hätten wieder Strom. Aus aller Welt träfen Lebensmittel, Medikamente und Vorräte ein. Eine Sprecherin der Liga der Gesellschaften vom Roten Kreuz und Roten Halbmond teilte mit, bislang gebe es keine Anzeichen für Seuchen. "Aber wenn die Menschen weiter im Freien leben und es kein sauberes Wasser gibt, wird ihre Gesundheit leiden", sagte sie. Anzeichen für den Ausbruch von Seuchen sehen Ärzte indes nicht. Die bisher aufgetretenen Fälle von Durchfall seien nicht alarmierend, sagte Dr. Hakan Sandblad von der Liga. Krankheiten wie Hepatitis und Typhus kämen ohnehin in der Region vor, so dass die dort lebenden Menschen größere Abwehrkräfte hätten, was eine Epidemie verhindern könne. Die Ärzte bemühen sich zudem um vorbeugende Maßnahmen wie die Verteilung sauberen Wassers. In einigen Regionen des Bebengebiets sind Brunnen und Quellen nicht mehr nutzbar, weil sie seit dem Beben salziges Wasser führen. Selbst Tiere würden das Wasser nicht trinken, sagten Bewohner der Ortschaft Khavda. 15 Rinder seien bereits verdurstet, sagte ein Mann in einem Dorf bei Khavda. Aus anderen Gebieten des Bundesstaates Gujarat kommen hingegen Berichte, das Wasser in früher salzhaltigen Brunnen sei nach dem Beben besser geworden. Offenbar haben sich durch die Erschütterungen die Grundwasserverläufe verändert. (Reuters)