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Vaduz - Die Bürger Liechtensteins wählen am kommenden Freitag und Sonntag (9. und 11. Februar) ihr neues Parlament, den aus 25 Mitgliedern bestehenden Landtag. Politische Beobachter gehen davon aus, dass die Wahlen für die amtierende Regierung zu einem ernsthaften Prüfstein werden. Die fünf Regierungsmitglieder gehören alle der "Vaterländischen Union" (VU) an, nachdem die andere große Partei - die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) - nach der letzten Wahlschlappe 1997 die seit 60 Jahren bestehende Regierungskoalition hatte platzen lassen und in die Opposition gegangen war. In Liechtenstein sind Parlamentswahlen indirekt auch immer Regierungswahlen, obwohl der Landtag die Exekutive bestellt. Im Landtag mit seinen 25 Abgeordneten hält die regierende VU mit 13 Sitzen die absolute Mehrheit. Die oppositionelle FBP hält zehn Mandate, die grün-alternative Freie Liste zwei. Auch wenn die Wahlen zu keiner Mandatsveränderung führen, stehen personelle Veränderungen in der Regierungsmannschaft auf jeden Fall bevor: Der stellvertretende Regierungschef Michael Ritter und Regierungsrat Heinz Frommelt haben nicht mehr kandidiert. Erneut kandidieren werden hingegen Regierungschef Mario Frick und die Regierungsräte Andrea Willi sowie Norbert Marxer. Als neue Kandidaten der Regierungspartei gingen Egon Gstöhl und Gerald Marxer ins Rennen. Wie VU-Präsident Oswald Kranz bereits am Parteitag Anfang Dezember bestätigt hatte, ist es das erklärte Ziel der Union, wieder die absolute Mehrheit zu holen und danach erneut eine Alleinregierung zu bilden. Die FBP will nach Medienberichten allerdings nach vier Jahren in der Opposition zurück in die Regierung. Sie strebt drei der fünf Regierungssitze an: Neben Parteichef Ernst Walch streben auch Otmar Hasler und Rita Kiber-Beck Regierungsverantwortung an. Der Wahlkampf wurde bisher auf einer sehr fairen Ebene geführt. Beide Großparteien, die sich ideologisch ohnehin kaum unterscheiden, konzentrierten sich auf die günstige Präsentation ihrer Kandidaten bei der Wählerschaft. Zuletzt hatte das Liechtensteiner Parlament mit einem weiteren negativen Gutachten über die Vorschläge des Fürsten Hans-Adam II. zur Verfassungsreform für Schlagzeilen gesorgt. Der Gutachter Bernd-Christian Funk, Professor am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Wien, war zum Schluss gekommen, dass die Verfassungsvorschläge des Fürstenhauses überwiegend auf eine Stärkung der landesfürstlichen Souveränität hinauslaufen würden. Die Vorschläge enthielten keinen "adäquaten Ausgleich auf der Seite der Volkssouveränität", heißt es im Gutachten. Zu den Vorschlägen des Fürsten gehörten die Möglichkeit, dass jede Gemeinde einzeln aus dem Land austreten könne, das Vorschlagsrecht für alle Richter zu Gunsten des Landesfürsten sowie die Kompetenz des Monarchen, die Regierung und das Parlament abzusetzen und mit Notverordnungsrecht alleine zu regieren. Dies wurde von Gutachtern und Parlamentariern gleichermaßen abgelehnt. Der Liechtensteiner Verfassungsstreit zieht sich bereits seit Jahren hin. Er ist eine Folge der Verstimmung zwischen der Regierung und dem Monarchen über den Abstimmungstermin zum EWR-Beitritt von 1992. Weil der Fürst und die vom Parlament bestellte Kommission sich nie einigen konnten, drohte Hans-Adam II., seine Ideen mit einer Volksinitiative durchzusetzen. Der Fürst will dem Vernehmen nach zuerst die Parlamentswahlen abwarten, bevor er wieder aktiv wird. Politische Beobachter glauben, dass er sich von einer Regierungsbeteiligung der FBP Vorteile verspricht. (APA/sda)