Belgrad/Bujanovac - Albanische Rebellen haben am Dienstagnachmittag auf eine hochrangige US-Delegation im Süden Serbiens geschossen. Der Angriff ereignete sich im Dorf Lucani in der Grenzzone zum Kosovo, meldet der Belgrader Sender B-92 von dort. Der US-Sonderbeauftragte für den Balkan, James Perdu, und der US-Botschafter in Belgrad, William Montgomery, hätten Zuflucht in einer serbischen Polizeikontrollstelle gesucht und anschließend ihren Besuch in gepanzerten Fahrzeugen fortgesetzt. Ob es bei dem Zwischenfall Tote oder Verletzte gab, war vorerst nicht bekannt. Die beiden Diplomaten hatten sich zuvor mit Vertretern der Belgrader Regierung und der albanischen Rebellen getroffen. Weitere Angriffe Albanische Aufständische haben am Dienstag im Süden Serbiens nach Angaben der Behörden in Belgrad ihre bisher schwersten Angriffe gegen Polizei und Militär gestartet. Dabei wurde in der Ortschaft Lucani auch ein Kamerateam des serbischen Staatsfernsehens RTS beschossen, aber nicht getroffen, meldete RTS in Belgrad. Die in Lucani, nahe dem Regionalzentrum Bujanovac, angegriffenen serbischen Polizei- und Armee-Einheiten schossen zurück. Sie hätten keine Opfer zu beklagen, meldete die Nachrichtenagentur BETA. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von zwei zerstörten und mehreren beschädigten Häusern. Sie seien von Granaten der Albaner-Rebellen getroffen worden. Seit November hat die albanische "Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac" (UCPMB) eine Serie von Anschlägen in und außerhalb der entmilitarisierten Zone an der Kosovo-Administrativgrenze verübt. Sie will dieses Gebiet an das Kosovo anschließen. Nach Angaben der serbischen Polizei wurden bei den Kämpfen bisher 17 Menschen getötet. Die Rebellen sprechen von zehn Toten. "Die Militanten wollen keine Verhandlungen, sie wollen uns in eine umfassende bewaffnete Konfrontation hineinziehen", erklärte der jugoslawische Minderheitenminister Rasim Ljajic. Serbischer Friedensplan Der serbische Vizepremier Nebojsa Covic hatte am Sonntag in Belgrad einen Aktionsplan zur friedlichen Beilegung der Krise im Unruhegebiet an der Kosovo-Administrativgrenze in Südserbien präsentiert. Der Plan zielt darauf ab, die UCPMB dazu zu bringen, die Waffen niederzulegen, und die Region in das politische und wirtschaftliche Leben Serbiens einzugliedern. Der neue serbische Regierungschef Zoran Djindjic hatte der UNO-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) vorgeworfen, für die Gewalt mitverantwortlich zu sein. Das Verhalten der albanischen Separatisten sei Folge des Misserfolgs der UNMIK, im Kosovo eine "friedliche multiethnische" Gemeinschaft zu schaffen. Das nach dem Kosovo-Krieg 1999 errichtete UNO-Protektorat basiert auf der Sicherheitsrats-Resolution 1244. Diese enthält die ausdrückliche Verpflichtung zur "Wahrung der Souveränität und territorialen Integrität Jugoslawiens". Dem Kosovo werden lediglich "substanzielle Autonomie und Selbstverwaltung" nach einer Periode internationaler Überwachung versprochen. Albaner-Rebellen: Nicht für Angriff verantwortlich Der Militärchef der pro-albanischen Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac (UCPMB) hat serbische Heckenschützen für den Angriff auf den US-Konvoi mit US-Botschafter William Montgomery und des Balkanexperten James Pardew (richtig) verantwortlich gemacht. Auch der politische Anführer der albanischen Rebellen in der von ihnen besetzten Stadt Veliki Trnovac, Galip Beqiri, wies die Verantwortung für den Zwischenfall zurück. Die Beschuldigungen von Seiten der Serben nannte Beqiri "eine neue Provokation". Niemals hätten die Albaner auf eine internationale oder eine US-Delegation geschossen. Bei dem Angriff auf die Wagen der US-Delegation sei niemand verletzt worden und kein Schaden entstanden, teilte das Washingtoner Außenministerium mit. Die Nachrichtenagentur Tanjug meldete unter Berufung auf den stellvertretenden serbischen Ministerpräsidenten Nebojsa Covic, albanische Rebellen hätten auf die US-Delegation geschossen. Der Balkanexperte Pardew hatte in der südserbischen Stadt Bujanovac den Plan der serbischen Regierung zur Beilegung der Krise in der Region begrüßt. Dem am Dienstag von der Belgrader Regierung verabschiedeten Plan zufolge soll der verarmte Landesteil wirtschaftlich gefördert werden, die Gebietsgrenze zum Kosovo soll jedoch bestehen bleiben. Auch den von der albanischen Minderheit gewünschten Sonderstatus lehnt Belgrad ab. Der Plan sieht ferner eine von internationalen Beobachtern überwachte Entmilitarisierung der umkämpften südserbischen Stadt Bujanovac und ihrer Umgebung vor. Die Albanervertreter sollen politisch und sozial eingebunden werden. Die Rebellen kämpfen in der fünf Kilometer breiten entmilitarisierten Pufferzone zwischen dem Kosovo und dem Rest Serbiens für eine Vereinigung mit dem unter UNO-Verwaltung stehenden Kosovo.(APA/dpa/AP)