Zagreb - Die Deutsche Telekom steht Angaben aus Branchenkreisen zufolge kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit der kroatischen Regierung, um ihre Stellung in Osteuropa durch den Mehrheitserwerb des Anbieters Hrvatski Telekom (HT) auszubauen. In den verhandlungsnahen Kreisen hieß es am Dienstag in Zabreb, nach den zuletzt getrübten Verhandlungen näherten sich beide Seiten einer Vereinbarung, nachdem in der vergangenen Woche erneut Gespräche geführt worden seien. Ein Sprecher der Telekom sagte in Bonn, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Telekom sei als Minderheitsaktionär bei HT an der Entwicklung des Unternehmens und am kroatischen Markt interessiert. Marijan Jurleka, Sprecher von HT, bestätigte, dass sich die Verhandlungen angenähert hätten. Beide Seiten befänden sich derzeit jedoch in einer "Phase der Stille". Weitere Angaben wollte Jurleka nicht machen. HT erwirtschafte im vergangenen Jahr umgerechnet einen binnen Jahresfrist um 30 Prozent auf 232 Mill. DM (118,6 Mill. Euro/1,63 Mrd. S) gestiegenen Reingewinn. HT hatte mit Stand Ende September 2000 1,7 Millionen Festnetz-Kunden und 460.000 Mobilfunkkunden, bei einer Gesamtbevölkerung von rund 4,5 Millionen Menschen. Die Deutsche Telekom ist mit 35 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, dass noch bis 2003 das Monopol über das kroatische Telefon-Festnetz hat. Kombination von Börsengang und Anteilsverkauf Den verhandlungsnahen Kreisen zufolge sind die Differenzen zwischen den Verhandlungspartner zuletzt geringer geworden. Gesprächsgegenstand sei eine Kombination von Börsengang und Anteilsverkauf an die Telekom. Die Regierung wolle, dass der Börsengang zuerst stattfinde, verlautete aus den Kreisen. Die Regierung hatte zuvor angekündigt, je nach Marktumfeld eine Emission des Unternehmens für das Frühjahr zu planen. Im kroatischen Privatisierungsgesetz ist der Staat verpflichtet 21 Prozent des Unternehmens mittels eines Börsengangs zu verkaufen. In weiteren Kreisen wurde als günstiger Zeitpunkt für einen Börsengang der Monat Mai genannt. In kroatischen Zeitungen wurde berichtet, dass die Telekom bereit sei, rund eine Milliarde DM für die geplante Aufstockung des eigenen Anteils um 16 auf 51 Prozent des Kapitals zu zahlen. (APA/Reuters)