Die Flextronics Company, das Unternehmen, das um kolportierte 500 Mio. Dollar (534 Mio. EURO) die Handyfertigung von Ericsson übernimmt, festigt durch den Deal seine Position als weltweit zweitgrößter OEM. OEM, das steht für Original Equipment Manufacturer: Immer öfter lagern Telekommunikations-, Internet- und Mobiltelefonie-Unternehmen die Produktion ihrer Hardware an OEM-Spezialisten aus. Fabrikationsspezialisten wie Flextronics übernehmen die Produktion und den Vertrieb der Geräte und Infrastruktureinrichtungen. Aufgrund der hohen produzierten Stückzahlen können dabei die Margen vergrößert werden. "Bei den Hightechunternehmen wie Ericsson bleiben nur mehr Design, Resarch & Development sowie Marketing ihrer Produkte", erklärt Cheryl Scritchfield, Managing Director von Flextronics. Die Auftragsfertigung für Hightechunternehmen boomt, da die Branchen Kommunikation, Netzwerke und Computer selbst boomen. Unter einem Firmendach werden Produkte, oft für Konkurrenten, gefertigt. Beispielsweise fertigt das auf der Nasdaq notierende Unternehmen Router für den Netzwerkspezialisten Cisco oder den Palm Pilot für 3Com. Teile der Produktion von Siemens, Bosch, Alcatel, Hewlett Packard oder Kodak wurden immer wieder übernommen. In Österreich ist Flextronics mit zwei Fabriken vertreten, und zwar in Kindberg, wo in einem ehemaligen Ericsson-Werk mit 300 Leuten Switch-Stationen hergestellt werden, sowie in Althofen, das mit 780 Leuten Design und Produktion von Gerätekomponenten macht, wie zum Beispiel Waschmaschinen für Whirlpool. Videokonsole Die Ericsson-Handys werden in China und Schweden hergestellt. Mittelfristig, erzählt Scritchfield, soll die Produktion in China zusammengefasst werden. Mit Microsoft verhandelt das Unternehmen derzeit um die Produktion der Videospielekonsole X-Box in einem der drei Werke in Ungarn. Der Umsatz von Flextronics wird sich heuer auf zwölf Mrd. Dollar (rund 13 Mrd. EURO) fast verdoppeln. Weltweit beschäftigt Flextronics fast 80.000 Mitarbeiter.

Österreich hat im Konzern eine Art Vorzimmerfunktion für Osteuropa, sagt Scritchfield. Grundsätzlich habe man eine Industriepark-Philosophie entwickelt, die sich als äußerst günstig erwiesen habe: Flextronics geht zusammen mit Partner in ein Niedriglohnland und baut dort zusammen mit diesen einen Industriepark auf. Durch die Ansiedlung der benötigten Zulieferer auf dem gleichen Gelände senke der Industriepark das unternehmerische Risiko für alle. So sei derzeit Ungarn Produktionsstandort für den europäischen Markt, Mexiko für Nordamerika und China für - China selbst oder den Export. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 7.2.2001)