Graz - Das geplante Kunsthaus, integraler Bestandteil der Kulturhauptstadt 2003, spaltet die Freiheitlichen. Während die Landespartei vehement gegen den Bau ist, sind die Grazer Freiheitlichen dafür. Im Jahre 1998 war die Situation umgekehrt. Damals machte sich die steirische FP unter Landesrat Michael Schmid für einen Kunsthausbau im Schlossberg stark. Vergebens. Im Oktober 1998 brachte die blaue Rathausfraktion das Wunschprojekt des damaligen (SP) Landeskulturreferenten Peter Schachner-Blazizek (der wegen der fehlenden Finanzierungszusage des Bundes gegen das Projekt ist) mit einer Volksbefragung zu Fall. Am Donnerstag beschlossen die Freiheitlichen mit SP, VP und den Grünen im Grazer Gemeinderat den Finanzierungsbeschluss für die Generalplanung in der Höhe von 80 Millionen Schilling (5,8 Mio. Euro). Die weitere Planung ist so sichergestellt. Mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag von ÖVP und Grünen wird am Dienstag, den 13. Februar, im Steiermärkischen Landtag die Finanzierung des Grazer Kunsthauses abgesichert. VP-Klubobmann Reinhold Lopatka lobte nach einer am Mittwoch getroffenen Vereinbarung über den gemeinsamen Entschließungsantrag die "konstruktive Haltung" der Grünen, und erklärte am Donnerstag in einer Aussendung, die SPÖ könne damit "keinen kulturpolitischen Schaden mehr anrichten".
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Studie belegt: Grazer Kunsthaus rechnet sich
Finanzstadtrat Siegfried Nagl präsentierte Dienstag eine von ihm in Auftrag gegebene Umwegrentabilitätsstudie, die vom Institut für Technologie- und Regionalpolitik (InTeReg) der Forschungsgesellschaft Joanneum Research erstellt worden ist. Quintessenz der Studie: Das Kunsthaus rechnet sich. Bei ihrer Untersuchung, der Erfahrungswerte der Kunsthäuser in Bregenz, München und sogar Bilbao zugrunde liegen, kommen Michael Steiner und sein Team auf eine regionale Wertschöpfungssteigerung zwischen 250 und 350 Millionen Schilling. "Auch wenn die Errichtung des Projekts Kosten in Höhe von 516 Millionen Schilling verursacht, so fließen doch mehr als 58 Prozent, das sind rund 300 Millionen Schilling, in Form von Aufträgen direkt an die steirische Wirtschaft zurück", sagt Steiner. Seiner Schätzung nach werden während der Errichtungsphase jährlich (2001-2003) hundert neue Arbeitsplätze geschaffen. Natürlich bringt auch der Betrieb des Kunsthauses, das mit einem jährlichen Budget von 80 Millionen Schilling ausgestattet werden soll, wirtschaftlichen Nutzen. Das InTeReg geht davon aus, dass von den jährlich 360.000 Graz-Touristen (von denen jeder im Schnitt 1900 Schilling ausgibt) allein 100.000 das Kunsthaus besuchen werden. Deren Ausgaben wiederum ergeben ab 2003 pro Jahr einen zusätzlichen Produktionswert von 43 Millionen und eine zusätzliche Wertschöpfung von 23 Millionen sowie 100 neue Beschäftigte, quer durch alle Sektoren, von Kulturbetrieben bis zur Gastronomie. (Denise Leising/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. + 8. 2. 2001)