Salzburg - Der Salzburger Landtag hat heute, Mittwoch, zwei Auslieferungsbegehren des Landesgerichtes Wien gegen den Salzburger FPÖ-Obmann und Klubvorsitzenden Karl Schnell behandelt. Auslöser für beide Ansuchen ist die gegen Bundespräsident Thomas Klestil gerichtete "Lump"-Äußerung Schnells. Am späten Nachmittag wurde im Plenum des Landesparlaments die bereits am 17. Jänner vom Immunitätsausschuss beschlossene Auslieferung mit Stimmen von ÖVP, SPÖ, den Grünen bestätigt. Die Wilde Abgeordneten Gertraud Wagner-Schöppl stimmte dagegen. Die FPÖ blieb der Abstimmung wegen Befangenheit fern. (Schnell selbst weilt zur Zeit in Amerika, Anm.) Im ersten Fall wird Schnell zur Last gelegt, den Bundespräsidenten öffentlich beschimpft zu haben. Der Salzburger F-Parteiobmann hatte am 28. November 2000 anlässlich einer im Rahmen einer FPÖ-Veranstaltung in Salzburg gehaltenen Rede - welche am 29. November 2000 in der Sendung "Zeit im Bild" im ORF-Fernsehen ausgestrahlt und in den Ö1-, Ö2- und Ö3-Nachrichten wiedergegeben wurde. Der Rechtsanwalt von Schnell, F-LAbg. Andreas Schöppl, kritisierte, dass die Aufhebung das Ende der verfassungsrechtlich verankerten Immunität bedeute. "Die Immunität wurde nämlich dazu geschaffen, um kritische Abgeordnete vor der Verfolgung der Staatsmacht - insbesondere durch den Monarchen - zu schützen." Dieser Schutz sollte natürlich besonders für Abgeordnete der Opposition gelten und den Schutz des freien Wortes garantieren. Dem zweiten Auslieferungsbegehren liegt eine Privatanklage des Salzburger ORF-Redakteurs Karl Kern nach Paragraf 111 Abs. 1 und 2 StGB (Üble Nachrede) zu Grunde, der über die "Lump"-Äußerung berichtet hatte und daraufhin von Schnell als "SPÖ-ORF-Spitzel" bezeichnet worden war. Dieses Ansuchen wurde am Abend zunächst im Immunitätsausschuss behandelt und soll anschließend im Plenum bestätigt werden. Es ist mit dem selben Abstimmungsverhältnis zu rechnen. (APA)