Jerusalem/Beirut - In den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon hat der Wahlsieg von Likud-Chef Ariel Sharon Genugtuung ausgelöst. "Sharon ist besser für die Palästinenser und die Araber (als Wahlverlierer Ehud Barak), denn er spricht aus, was die Israelis wirklich denken", sagte Maher Shabatya, ein Fatah-Verantwortlicher im Libanon, am Mittwoch. "Mit Sharons Sieg zeigt Israel sein wahres Gesicht". Für die meisten Araber ist Sharon ein "Kriegsverbrecher". Sie machen den Ex-General für die Massaker in den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Shatila im Jahr 1982 verantwortlich. Damals metzelten mit Israel verbündete libanesische Rechtsmilizen der christlichen Falange-Partei (Kataeb) unter den Augen der israelischen Besatzungsarmee mindestens 1500 palästinensische Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, nieder. Eine offizielle israelische Untersuchungskommission und der Oberste Gerichtshof bestätigten die Mitschuld Sharons, der daraufhin als Verteidigungsminister zurücktreten musste. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) hatte sich im Libanon eine eigene Machtbasis geschaffen. 1975 brach in der einstigen "Schweiz des Nahen Ostens" ein 15-jähriger Bürgerkrieg aus, in den Syrien mit einem Mandat der Arabischen Liga eingriff. Im März 1978 rückten 25.000 israelische Soldaten bis zum Litani-Fluß vor. Dabei trieben sie 400.000 Flüchtlinge vor sich her in Richtung Beirut. Frieden brachte der kurze Feldzug nicht. Deshalb beschloss der israelische Generalstab im Juni 1982, die PLO ein für allemal zu zerschlagen. Israelische Truppenverbände stießen bis in die Vororte Beiruts vor. Nach libanesischen Schätzungen kamen bei den Kämpfen etwa 20.000 Menschen ums Leben. Im September 1982 schienen die Planungen der israelischen Strategen aufzugehen, PLO-Chef Yasser Arafat konnte nach internationaler Vermittlung mit 11.000 Kämpfern aus der belagerten Stadt abziehen. Die palästinensischen Flüchtlinge blieben schutzlos zurück. Es kam zu den Massakern von Sabra und Shatila. Neben dem Bedürfnis, seine Nordgrenze zu schützen, hatte Israel seit seiner Gründung weiter gehende Interessen im Libanon. Schon zwei Jahrzehnte vor Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges existierten detaillierte israelische Regierungspläne zur Destabilisierung und Teilung des multikonfessionellen Zedernstaates. Wie aus den Tagebüchern des Ministerpräsidenten (1953-55) und Außenministers Moshe Sharett hervorgeht, sah Israels Führung in den frühen fünfziger Jahren im Libanon das "schwächste Glied der arabischen Kette". "Die Änderung der dortigen Verhältnisse zum Vorteil des jüdischen Staates" sei eine "zentrale Priorität" gewesen. Spätestens 1954 lagen laut Sharett konkrete Pläne vor, die Führer der stärksten christlichen Bevölkerungsgruppe, der Maroniten, zur Schaffung eines - von Israel abhängigen - kleinen Christen-Staates anzustiften. Als zweiter "ethnischer" Staat in der Region hätte er die Existenz des jüdischen legitimieren sollen. (APA/Reuters)