Innsbruck - Ein Fünftel der Tiroler Bevölkerung hat auf die BSE-Krise reagiert und das Konsumverhalten geändert. 16 Prozent essen weniger Rindfleisch als vorher, sieben Prozent essen überhaupt kein Rindfleisch mehr. Das geht aus einer von der Landeslandwirtschaftskammer in Auftrag gegebenen Umfrage beim Grazer Meinungsforschungsinstitut GMK hervor. Die Studie wurde am Mittwoch in Innsbruck präsentiert. Sieben Prozent essen überhaupt kein Rindfleisch mehr Von den 400 befragten Tirolern über 18 Jahre halten es 76 Prozent für unwahrscheinlich, dass Tiroler Fleisch von BSE-erkrankten Rindern stammen kann. Bei Fleisch, das nicht aus Tirol stammt und in heimischen Geschäften verkauft wird, glauben das nur rund 65 Prozent. Insgesamt halten es rund fünf Prozent für sehr wahrscheinlich, dass Fleisch aus Tiroler Geschäften von Rindern mit BSE stammen kann. Hohe "emotionale Verunsicherung" Daraus könne man erkennen, dass das Vertrauen in "Fleisch, das ein Gesicht hat" deutlich höher sei, betonte Anton Leinschitz von GMK. Verwunderlich sei aber, dass "je weiter man aufs Land hinaus geht", die "emotionale Verunsicherung" umso höher werde. Es sei alles weniger anonym, dadurch entstehe ein "kritischeres Auge", erklärte Leinschitz. 95 Prozent wollen natürliche Produktion statt Massentierhaltung Der lückenlose Herkunftsnachweis sei für 92 Prozent der Befragten sehr wichtig. 95 Prozent wollen natürliche Produktion statt Massentierhaltung und derselbe Prozentsatz halte laufende Kontrollen bei Mastbetrieben für absolut notwendig. 69 Prozent der Tiroler würden beim Kauf von Rindfleisch nun eher darauf achten, woher es stammt. Hier zeigt sich nach Ansicht des Präsidenten der Landeslandwirtschaftskammer, Ludwig Penz, dass "Österreich mit der raschen Umsetzung der Tier- und Fleischkennzeichnung im Bereich Landwirtschaft wichtige Vorleistungen" erbracht habe. Vertrauen in die Landwirtschaft Die Umfrage zeige deutlich, dass der Tiroler Konsument das Vertrauen in die Tiroler Landwirtschaft nicht verloren habe, dass aber weitere vertrauensbildende Maßnahmen notwendig seien. Penz forderte erneut die "lückenlosen" Kontrollen bei Futtermitteln. Zur Diskussion um die "Lebensmittelsteuer" kann sich Penz vorstellen, dass die "hohen Kosten für die Tests und die Entsorgung des Risikomaterials" die Konsumenten "mittragen müssen". In welcher Form diese Kostenumwälzung stattfinden soll, müsse noch überlegt werden. Davon unabhängige Gespräche gebe es derzeit zwischen der Agrarmarketing Tirol, der Landeslandwirtschaftskammer sowie den Biobauern über die Einführung einer eigenen "Biomarke" unter dem Dach der Agrarmarketing Tirol. (APA)